Adarnias Fallen

McSwaggart fluchte schon wieder, als die Hütte in Sicht kam. Mittelalter, Schafsinsel, das Ende des Weges, und so weiter. Das hinderte ihn aber nicht, Lorna, Nick und John herzlich zu begrüßen und dann sofort heftig mit ihnen zu schwadronieren, Whisky zu saufen und sich richtig wohl zu fühlen. Ich verstand kein Wort. Lorna kümmerte sich bald um uns, und erzählte uns ein wenig über diese Sprache - das war also schottischer Dialekt, kein schottisch, aber ein Gemisch mit englisch; auch wären halt viele Falkländer eigentlich Schotten, auch deshalb nicht so gut auf Engländer zu sprechen. Dann sagte sie noch, sie hätte sich schon gefragt ob wir wirklich zurück kommen würden, und ob wir sie wirklich mitnehmen würden. Alida sagte verwundert, natürlich - und Lorna strahlte. Sie hatte schon mit ihren Brüdern gesprochen, und die waren einverstanden. “Weißt du eigentlich wohin?” fragte Alida “nein, ist mir auch egal. Freunden von Malcolm vertrauen wir voll und ganz, außerdem...seht euch doch hier um...es kann doch nur besser sein, woanders.”

Alida strahlte, auch sie lernte wohl noch dazu was Malcolm anging; ich ohnehin. McSwaggart verabschiedete sich bald, er hatte ja noch weit zu fahren, Nick und John begleiteten ihn zum Boot. “Das ist der Zeitpunkt zu gehen” sagte Lorna “Kurz und schmerzlos. Sie wissen daß ich gehen will, verabschiedet haben wir uns schon, sozusagen. Gehen wir, schnell - ich kann sie doch jederzeit besuchen?” - “Sicher. Wenn du willst?” - “Du weißt es doch..komm, bevor sie zurück sind. Äh..muß ich was mitnehmen?” - ”Deinen Paß. Falls wir lange weg sind, und jemand dieses Haus durchsucht.” Alida war schon an der Tür. Lorna verdrückte eine Träne, und kam mit. Allerdings waren wir zwei Minuten später zurück. “Scheiße...” brummte Lorna “schon wieder diese Typen. Vor drei Wochen waren sie schon mal da, haben überall geklingelt und die Leute ausgefragt, und als sie nichts gefunden haben,  alle möglichen Anzeigen gemacht. Fehlende Hausnummern, Straße dreckig und all so ein bullshit. Genutzt hat es ihnen nichts, weiß der Teufel was die überhaupt wollen. Schmuggler, Unsinn. Wer soll hier was schmuggeln? Wißt ihr was das bedeutet?”

Alida nickte und lächelte “du wirst es auch bald wissen. Später. Was tun wir?” - “In den Keller, ihr zwei. Ich werde schon mt denen fertig.” Sie öffnete eine Falltür, wir verschwanden im Keller und über uns hörten wir Militärstiefel hereinkommen, dann wurde Lorna ausgefragt und antwortete mürrisch, genervt aber ausführlich, dann kamen hörbar Nick und John herein, brüllten die Schnüffler an, sie sollten ihre Schwester in Ruhe lassen, wenn sie was wollten, bitte - oder ab durch die Mitte. Wieder Militärstiefel, dann Lachen. Die Falltür öffnete sich wieder, Nick stand lachend da und hielt noch die Schrotflinte im Anschlag. “Nick, die werden mit der Polizei zurück kommen.” - “Sollen sie doch. In zehn Minuten sind John und ich weg, das Boot wartet unten. Ihr wolltet doch auch..? Na los, jetzt ist die Luft rein.” Lorna umarmte die beiden noch einmal, wir gaben uns die Hände “alles Gute..” - “Ja, das auch... macht schon...”

Wir gingen schnell, über die offenen Weiden ging das ja auch mühelos, und sahen keine Patrouille, nur einen Schäfer bei seiner Herde. Lorna grüßte ihn freundlich, aber wir gingen schnell weiter. Der Felsberg lag nicht im Nebel, es sah freundlich aus, aber etwas machte mich unruhig. Ich sah mich mehrmals um..nichts. “Norman, hier stimmt etwas nicht. Ich spüre es..” sagte da Alida und zog Lorna näher zu sich. “Lorna, falls uns jemand fragen sollte, du zeigst uns die alte Kohlegrube. Wir sind Gäste, und du machst die Begrüßungstour, klar?” - “Was denn, McCormicks Pit? Was sollen wir denn dort? Das ist ein gruseliges Loch...” - “Du wirst sehen, aber denk dran: wir reisen nirgendwo hin, machen nur eine Touristentour. Okay?” - “Klar. Aber das mußt du mir erklären.” - “Später. Machen wir daß wir hier verschwinden.” Es tauchte niemand auf, am Waldrand nicht, in der Schlucht nicht, am Mundloch der Grube auch nicht. Wir zögerten, die Gefahr war förmlich zu riechen; aber was hätten wir tun sollen? Wir mußten jetzt durch, und warten nutzte auch nichts. Also verschwanden wir schnell in der Dunkelheit der Grube, Lorna zitterte....sie hatte wirklich keine Ahnung. Wir waren noch nicht weit gegangen, da flammten vor und hinter uns Handscheinwerfer auf...

Die britische Polizei war schon dort gewesen. Dumm, wie Bullen so sind, dachte ich als sie uns schlicht erklärten, man habe gesehen wie Leute hier rein gegangen wären, und nicht wieder heraus gekommen. Was für ein Schmuggelloch das denn wäre, fragten sie uns - wir spielten die Ahnungslosen und verwiesen auf Lorna. Die machte auf dummes Mädel vom Land, erklärte was wir ihr gesagt hatten, daß wir Gäste wären, und sie uns die alte Kohlegrube zeige. So, sagte einer der Officer, “dann zeig sie uns auch einmal. Wir müssen hier alles kennen.” - “gern” sagte Lorna und wollte voran gehen, aber das ließ er nicht zu. “Wir gehen vorneweg, und du sagst uns, wann und wo wir abbiegen müssen. Das ist ja ein Labyrinth hier unten..” Lorna sah uns hilflos an, Alida bedeutete ihr, mach nur. Dann konnte ich sehen was jemand drauf hat der den dritten Grad besitzt....

Lorna wußte ja gar nicht Bescheid. Dennoch konnte sie den Bullen vor uns sagen, wohin sie gehen sollten; einer kam hinter uns, drei gingen vor. “Links, rechts, geradeaus...Kopf einziehen...” Lorna dirigierte und warf uns erstaunte Blicke zu. Es ging tief rein, ich bemerkte erfreut daß wir den bewußten Spalt passierten ohne daß er bemerkt wurde; dann wurde es wirklich unheimlich. Morsche Stützen, tropfendes Wasser, rostende Loren und Leitern...eine super-Szenerie, vor allem für Alida und mich, wir wußten ja, es ist harmlos. Es knarrte bedrohlich....die Bullen vorn blieben stehen “wo geht denn das hin? Gibt es da noch ein Ende?” - “Oh ja..” kam es wortlos bei mir an, Alida grinste breit und Lorna sagte ganz sicher, etwas weiter vor wäre die große Höhle. “Aha. Wenn dort Whisky gelagert ist, seid ihr dran” sagte der dämliche Vorgesetzte und ging vorsichtig weiter. Nicht vorsichtig genug...es knarrte noch einmal, und der Boden öffnete sich. Drei Polizisten verschwanden nach unten, es platschte laut, dann Rufe. Hinter uns erstarrte der vierte, und das nicht ohne Grund. Alida stand vor ihm und zeigte auf ihn, blendete ihn mit dem Licht eines Mélanaden, der erstaunlich hell strahlte. Sie sprach auf ihn ein “Du springst jetzt auch da rein, Mac. Keine Sorge, euch passiert nichts. Ihr findet einen Tunnel zum Ausgang, immer aufwärts gehen, verstanden?” - “Jjjjaaa...” - “Dann los. Aber wehe, ihr erzählt irgendwem wo ihr wart; dann holt euch der Geist der Grube. Mach schon...” Mac ging los, und sprang. Platsch, Flüche, Alida ging vor und leuchtete ihnen bis sie den Gang sehen konnten. Ohne daß sie etwas tun mußte schloß sich die Falltür langsam. “Einer wäre drüber gekommen, ohne etwas zu merken” grinste sie “los, gehen wir, jetzt aber schnell. Für heute reicht es mir. Lorna, mach den Mund zu.”

Lorna war geplättet. Sie kam mit, wollte aber alles auf einmal wissen, und das geht bekanntlich nicht. “Das Bergwerk ist eine Tarnung” sagte Alida knapp “Wenn wir in Sicherheit sind, sag ich dir mehr.” Lorna schwieg, wir gingen schnell. Sie war sehr ängstlich als wir uns durch den Spalt zwängten, ziemlich erstaunt wie es dahinter aussah und restlos fertig, als Alida mit Kristallen die Tür öffnete. Wir mußten sie mitziehen, sie blieb einfach stehen und staunte. Zwei mir unbekannte Wächter erwarteten uns schon; was dann kam, bestaunte Lorna nur wortlos, wie ein Kind den Christbaum. Ich war allerdings auch ziemlich still, was Alida eben gezeigt hatte, war mehr als beeindruckend. Alida bedeutete den Wächtern still zu sein und langsam zu fahren, Lorna brauchte etwas Zeit um sich zu fassen. “Wo kommen die Polizisten jetzt raus?” - “Wo wir reingegangen sind. Nach einigen Umwegen. Die werden kein Wort sagen, wenn sie sich nicht sogar in die Hosen machen.” - “Warum das?” - “Der Gang sieht aus wie halb eingestürzt, und es liegen Gerippe drin. Es ist ziemlich weit, und man hört undefinierbare Geräusche. Glaub mir, die bekommen die Panik.” - “Was hast du denn nur mit dem armen Bengel gemacht...” - “Ach, nichts schlimmes, das Gegenteil vom direkten Verstehen. Ein direkter Befehl. Er konnte nicht widersprechen, und die drei anderen werden ihm nicht widersprechen können.” - Und das Ganze natürlich verschweigen.” - “Ja, wär dir das nicht peinlich? Durchgeweicht und total dreckig werden die auf ihre Wache zurück kommen, und fertig mit den Nerven dazu. Was würdest du sagen?” - “Weiß nicht. Einen Unfall behaupten, vielleicht.” Einer der Wächter drehte sich um “Ärger im Bergwerk?” - “Polizeispitzel.” - “Ach, Mist, schon wieder. Gut, wir kümmern uns später darum.” - “das muß nicht sein. Die werden kaum wieder kommen.” - “Doch, die kommen wieder. Das war das dritte Mal in zwei Wochen. Wir müssen wohl mal wieder einen Geist auftauchen lassen.” Er grinste und schwieg. Lorna hörte uns wohl reden, obwohl wir leise sprachen; aber sie achtete nicht auf uns. Fasziniert sah sie sich Fahrzeug und Tunnel an, war ganz still; angekommen, nahm Alida sie bei der Hand und begann vorsichtig mit der Einführung....

Die zweite Ankunft

Alida sprach zunächst nur über Fahrzeug und Tunnel, erwähnte auch daß wir hier nicht in der Welt wären, die Lorna bekannt wäre, aber ganz anders als mir damals war Lorna das völlig egal. Sie hörte eine Weile zu, dann unterbrach sie. “Du machst dir viel zuviel Mühe, Alida; ich komme mit jeder Umgebung zurecht...hast du nicht gesehen wie wir gelebt haben? Sag mir lieber wie du mich verhext hast  daß ich mich in der Grube auskannte - ich war noch nie dort, wußte aber genau wo es lang ging, sogar wo die Falltür war. Ich hätte fast gelacht, deine Bemerkung, daß es durchaus weiter ging...ich wußte genau was du meinst. Das mußt du mir erklären.” - “Na sieh mal an. Lebt am Ende der Welt und nimmt unbekanntes mit stoischer Ruhe...gut, Lorna, wirklich gut. Na, sagen wir mal, ihr nennt das Telepathie, was ich da gemacht habe, bei uns ist das direktes Verstehen...und du verstehst schnell.” - “Hmmm... dieser Mac aber auch .” Lorna hatte das Staunen hinter sich, schüttete sich aus vor Lachen, schlug Alida auf die Schulter “das hat Spaß gemacht. So sollten wir mit diesen Schweinen umgehen können.” - “Du wirst es bald können.” - “Na, das wird gut...so, nun sag mir mal wo wir hier sind.” Alida breitete die Arme aus und sagte ruhig “Ihr nennt es Atlantis. Es heißt Avalonia, Atlantis ist nur eine...” - “Gut, gut, ich bin kein Reporter.  Avalon, Atlantis, oder das gelobte Land. Das mußtest du mir verschweigen? Ja denkst du denn ich hätte dann nicht hierher gewollt? War jedenfalls näher als England oder Argentinien, ich bin gar nicht müde. Super-Fahrzeug, das. Du, aber erspar mir solchen Unterricht. Wenn ich was nicht begreife, frage ich. Können wir uns umsehen? Oder kommt erst noch ein strenges Büro?”

Alida gab auf. “Nein, kein Büro. Du bist reingelassen worden weil wir für dich bürgen, sozusagen. Was möchtest du denn machen, Lorna?” - “Na, am liebsten baden, duschen, oder sowas...und mich umziehen, wenn ich hier bessere Klamotten bekommen kann. Ihr zwei seht jedenfalls besser aus, und die zwei Typen im Fahrzeug..lecker. Könnte ich sowas bekommen?” - “Klar. Komm mal mit.” In einem leeren Schlafzimmer öffnete Alida eine Truhe und gab mir und Lorna die landestypischen Umhänge, zog sich ebenfalls um “So, Lorna. Dusche oder warmes Meer?” - “was denn, wir sind am Meer? Na, klar. Nix wie rein.” Alida lachte auf dem ganzen Weg nach unten, sie hatte nur gesagt, die Treppe runter, und Lorna fand den Weg, ging vor, warf schon am Ufer ihren Umhang ab und drin war sie. Wir kamen nach, Alida lachte immer noch. “Das ist ein Kind von 1,90 Metern. Lorna wird keine Schwierigkeiten haben, das ist sicher. So einfach ist eine Einführung selten. Na, Norman? Gebadet hast du hier ja auch noch nicht.” - “Geradezu unverschämt warm. Beheizt?” - “Ja, von heißen Quellen . Du, wir könnten gleich nach Atlantis fahren. Lorna bringe ich schon unter, und dann..?” - “Gut essen, und schlafen gehen. Das Ding mit den Bullen hat mir zugesetzt.” - “Ja, ich bin auch erschrocken. Aber das waren ja solche Anfänger...”

Oder Alida ihnen haushoch überlegen..egal, wir badeten lange. Die erste Frage kam schnell, als wir uns wieder anzogen. “Alida, so unter uns dreien ist ohne Unterwäsche ja ganz reizvoll..aber wir ziehen uns doch noch um, oder? In diesen Nachthemden laufen wir doch nicht herum?” Alida schüttelte sich schon wieder, wohl wegen der Nachthemden. “Also, du kannst natürlich wieder deine Kleidung auf Schäferart trage, aber diese Umhänge sind hier üblich.” - “Oh. .das ist scharf. Bei allen?” - “Ja, bei allen.” - “Wenn du das sagst...warum nicht, wenn es alle so machen. Dann gehen wir also?” - “ja - gehen wir.” Lorna hatte anfangs eine Hand vor ihrem Schoß, sah aber bald daß Alida nicht gelogen hatte und auch niemand Stielaugen wegen ihr bekam, schon war das Thema gegessen. Auch andere Dinge ließen sie nur kurz fragen, und kurze Antworten genügten. Sie sah sich ständig um, fragte aber eigentlich wenig, weder auf der Fähre, noch in Mirathris, noch auf dem Gleiterflug nach Atlantis schien sie sonderlich beeindruckt. Dort angekommen, sagte sie nur sehr nachdrücklich, hier gefalle es ihr wesentlich besser als auf Adarnia “viele Leute, und es scheint ihnen gut zu gehen. Genau das brauche ich jetzt. Wo werde ich übrigens wohnen?” Schon war sie wieder beim praktischen. Alida brachte sie zum Palast, wo sich die Schreiber um sie kümmerten; wir gingen schon einmal vor, hatten uns verabredet, zum Essen am Hafen.

Lorna kam etwa eine halbe Stunde nach uns, und jetzt war sie doch beeindruckt. Das lag an der Wohnung die sie zunächst bekommen hatte, direkt beim Palast, nicht groß, aber schön eingerichtet und vor allem “völlig sauber, das brauche ich nach Jahren mit Schafsmist und Fischgeruch”. Das Essen hatte eine ähnliche Wirkung, Lorna kam wohl jetzt erst allmählich hier an. Beim Essen und vor allem danach kam auch allmählich die Wirkung der ortsüblichen Kleidung bei ihr an, sie fing an sich appetitliche Männer anzusehen und war bald kaum  noch ansprechbar; aber auch so manche Frau hatte ihre volle Aufmerksamkeit. “hast du Rathurnida gesehen?” fragte Alida und mußte die Frage wiederholen. Nein, Lorna war von den Schreibern betreut worden. “Nun erklärt ihr mir aber wo ich hier am schnellsten einige Bekanntschaften machen kann.” Wir erzählten ihr vom Rumbokan, und wo sie Malcolm finden konnte, der sicher noch mehr Tips auf Lager hatte.  Es dauerte dann auch nicht lange, und Lorna ging zu Poseidon’s Faß hinüber, wir dagegen hatten genug für diesen Tag und gingen zu Alidas Haus, um erst einmal die Müdigkeit auszuschlafen die das Propellerflugzeug, der Fischerkahn und die Wanderung hinterlassen hatten.

Damit hatten wir aber unseren Job was Lorna anging, noch nicht getan. Die kam früh morgens bei uns an, war ziemlich aufgewühlt von einer Nacht mit Vahrsonia, Malcolm und einer sehr guten Gruppe im “Hadesartis” im Rumbokan. Daß dies hier in vielen Dingen eine völlig andere Welt war und sie besser doch ein paar Fragen stellen sollten war ihr inzwischen klar. Sie hatte schon einiges von Malcolm und Vahrsonia erfahren, aber das reichte dann doch nicht aus. “Schließ dich uns an, Lorna “sagte Alida einfach, wir hatten gerade beschlossen Yanerdia und ihren künftigen Mann in West-Avalonia zu besuchen und uns dort einen schönen Tag am zurückweichenden Meer zu machen. Wir fuhren bald los, und schon unterwegs wurden wir mit Fragen bombardiert. Die Technik der Kristalle, die mich so fasziniert hatte, war dabei ebensowenig das Thema wie die sagenhafte Stadt; Lorna hatte so viele attraktive Junggesellen kennen gelernt, daß sie sich nur noch für eines interessierte: wie kann ich mich hier so schnell wie möglich integrieren, voll dazu gehören und schließlich auch heiraten.

Für eine kurze Fahrt waren das allerdings zu viele Themen, wir sagten ihr kurz vor der Landung, Yanerdia sei kurz davor das zu tun was bei uns heiraten ist, sie könne sie ruhig als Expertin betrachten...eigentlich sagten wir uns, wir können Lorna ja bei Yanerdia und Leliador abgeben und uns ans Meer verziehen... wir waren immer noch müde, und ziemlich scharf auf einen ruhigen Tag dort.

Yanerdia hatte untertrieben. Nicht weit von dem Ort wo wir das neue Lagerhaus besichtigt hatten, stand ihr neues Nest und war längst fertig, nur am Garten wurde noch geabeitet und so konnte ich bestaunen, wie dort aus Kies und Sand das alte West-Avalonia wieder erstand. Gärtner waren dabei, Gras über den Kies zu decken und Bäume zu pflanzen. Leliador war dabei und ziemlich stolz auf seine Arbeit, wir ließen bald Lorna in der Obhut der beiden und gingen erst mal zum Meer. Das war erneut um hunderte von Metern zurückgewichen und hatte mehr Strand freigegeben als jemals nötig sein würde; aber hier arbeitete noch niemand. Die neue, immer noch namenlose Siedlung nahm alle Aufmerksamkeit in Anspruch, in der Entfernung sahen wir einen halb fertigen Turm, noch ohne Kristall. Das warme Wasser war genau richtig für uns, wir spürten immer noch die Müdigkeit von der schnellen Reise. So verbrachen wir etliche Stunden dort, kein Mensch ließ sich blicken, man hättte sich mühelos einbilden können irgendwo in der Südsee zu sein, weit ab von allem.

Später sahen wir daß das neue Lagerhaus schon fertig war, wir gingen aber sofort zu Yanerdia und Leliador, fanden sie im halb fertigen Garten im Gespräch mit Lorna. Die war inzwischen angestochen, und fragte pausenlos. Die zwei waren froh Verstärkung zu bekommen....

“Alida, du hättest auf einer Einführung bestehen sollen. Die Lorna ist so wißbegierig, das ist kaum auszuhalten.” Leliador ging ins Haus, Lorna lächelte “ist ja auch ein Ding, das ganze Meer in der Schwebe zu halten. Und das auch noch auszudehnen...daß die keine Angst haben das könnte alles einmal runter kommen..?” - “sagtest du nicht, eine gründliche Erklärung wäre überflüssig?” - “Da wußte ich ja nicht was für ein verrücktes Land das hier ist. Und ein unfaires dazu.” - “Warum denn das, Lorna?” - “Na, ich kann mir hier tausend reizende Männer und Frauen ansehen, und die sind ganz schön schamlos. Was die vor meinen Augen so treiben...und ich darf nichts. Alida, das ist nicht richtig.” - “Was genau?” - “Daß die mich als Jungfrau behandeln....das bin ich nicht, sag ihnen doch sie sollen mich als ganz normale Frau behandeln...” Alida winkte  ab “Warte mal, Lorna. Yanerdia, hast du mir etwas verschwiegen?” Yanerdia strahlte und wartete ein wenig ab, dann sagte sie es “ihr wart einfach zu schnell verschwunden. Ja, wir haben uns das Versprechen gegeben, letzte Woche, ihr wart ja nicht da. Seitdem wohne ich hier, und bleibe auch, obwohl noch viel unfertig ist. Lorna hat eben eine Begrüßung miterlebt, alte Freunde von Leliador...nun, und jetzt schimpft sie daß sie in diesem Punkt daneben steht. Mach ihr doch klar, daß es hier auch schneller möglich ist den richtigen Partner zu finden..viel leichter als ausgerechnet auf Adarnia. Was gibt es denn schon in dieser Schafs-Einöde.”

Lorna nickte dazu “das mag ja stimmen. Aber mich als Jungfrau zu behandeln...” Alida lächelte “So sind unsere Gewohnheiten. Du bist nicht und warst nicht verheiratet, da oben. Da wirst du als Jungfrau behandelt, und kannst nicht erwarten daß ein Mann dir so nahe kommt wie du es willst. Erst der Eine, dann kannst du selbst entscheiden ob du einmal ein wenig naschen möchtest.” - “Der Eine...den suche ich ja, aber den finde ich doch nicht auf Knopfdruck. Ich finde das ja richtig gut, aber warum so streng?” - “Das ist nicht streng..frag Norman, der findet das ganz schön locker. Lorna, wenn du Kinder bekämst und wärst noch allein, das wäre schlecht für die Kinder  - es geht da weniger um dich.” - “Oh..so...na das ist allerdings sehr vernünftig. Verhüten tun die hier nicht ?” - “Eher im Gegenteil, Lorna.  Aber für die Kinder sollte ein Nest da sein, bevor du sie bekommst.” - “Gut. Ich nehme das ‘unfair’ zurück. Aber sag mal, mit einer Frau könnte ich dann doch ein wenig..?” - “Wenn du an mich denkst, muß ich dich enttäuschen. Ich mag nicht, bin einfach zu müde. Auch das ist nicht üblich..vor dem Versprechen. Aber frag ruhig Yanerdia, ob sie vielleicht eine Ausnahme macht...ein Paar kann in seinem Haus tun was es mag,  aber Leliador muß einverstanden sein.”

Lorna holte tief Luft. “Das ist aber kompliziert...Yanerdia?” - “ich weiß nicht so recht...aber fragen wir meinen Liebsten.” der kam wenig später mit Gläsern und einer Karaffe aus dem Haus, Yanerdia sah Lorna an “fragen mußt du schon, Lorna.” Das war schon etwas zum Schmunzeln, wie Lorna aufstand, zu Leliador ging und sehr leise, mit knallrotem Kopf fragte ob sie mit Yanerdia eine zärtliche Stunde verbringen dürfe...der war überrascht, sah seine Yanerdia an”magst du denn, Liebes?” - “Halb ja, halb nein...” - “Dann lieber nicht, Lorna, auch wenn du uns dann wieder zu streng findest..” er sah Lorna ruhig an “es würde dir nichts nutzen, Lorna. Lerne direktes Verstehen und deine einsamen Stunden sind bald vorbei.” Lorna nickte still und ging mit Yanerdia ins Haus. Leliador setzte sich kopfschüttelnd zu uns “diese Frau ist wirklich in Nöten...wie lange ist sie schon allein?” Ich wußte es nicht, aber es könnten schon Jahre gewesen sein. “Yanerdia wird sicher ein wenig mit ihr schmusen, aber sie sollte lieber unter vielen Leuten sein als hier im fast leeren Neuland.”

Wir sprachen über das Haus, die Nachbarschaft und seine Hoffnung, die Siedlung hier würde bald eine richtige Stadt werden, aber Leliador war nicht bei der Sache. Es machte ihn etwas nervös, und wir wußten ja was. “Komm mal mit..” sagte Alida schließlich und ging ins Haus ”Es ist zwar unhöflich, aber wir müssen sie stören. Er tut das nicht, aber er fühlt sich unwohl...wir müssen mit Lorna reden.” Sie klopfte leise an einer Tür, keine Antwort. Wir traten ebenso leise ein, Lorna und Yanerdia waren ziemlich nahe zusammen, aber nicht so wie Lorna das gerne gehabt hätte “Yanerdia, geh zu deinem Mann” sagte Alida sanft “Lorna..genug. Wir sollten das junge Paar allein lassen.” Sie erhoben sich zögerlich, Lorna wollte etwas sagen, Alida schnitt ihr das Wort ab. “Nicht, Lorna. Yanerdia hat dir genug gegeben. Nun lassen wir sie und Leliador ihr junges Glück genießen...komm schon.” Lorna nickte und kam mit uns.  Yanerdia sprach leise einige Worte mit Alida, dann ging sie zu Leliador, wir verabschiedeten uns.

Alida machte absolut kein Tempo, als wir wieder im Gleiter saßen. Sie sprach mit Lorna, und dabei ging es darum, daß Lorna nun eben doch eine Einführung benötigte, und zwar ins direkte Verstehen.

Oben und unten

Lorna hatte schon begriffen daß sie etwas zuviel erwartet hatte; kein Wunder in einer völlig fremden Umgebung die so vieles bot was Lorna unbekannt war.  “Jedes Paar ist anders, Lorna. Yanerdia hat sich vielleicht gefreut, aber Leliador nicht. Er ist ziemlich empfindlich, und die beiden erst kurz zusammen. Eben deswegen, du mußt es lernen, zu lesen was dein Gegenüber empfindet. Du wirst sehen, das hilft dir auch schnell den Mann zu finden der zu dir paßt, und in Zukunft genau zu wissen wo du naschen kannst ohne jemanden zu irritieren...und vieles Andere.” -”Und wie geht  das?” - “Nun, es fängt damit an daß du dich nicht darauf konzentrierst was du gern möchtest daß dein Gegenüber denkt...das tust du doch, oder?” - “ich nehme an, du weißt es schon.” - “Ja, das tust du. Ständig. Siehst du, und deshalb meinst du dann auch bald, ihr wärt euch einig. Es ist aber nur gut, wenn das wirklich so ist.” - “Das ist klar.” - “Am besten, du denkst gar nicht. Sieh lieber zu, daß du mitbekommst was im Anderen vorgeht. Das ist gar nicht schwer...versuch es mal, was denke ich gerade?” - “Warte mal...nichts zu denken ist nicht leicht..”

Wir warteten. Lorna schloß die Augen und lachte plötzlich “Frechheit. Ich bin kein kleines Mädchen.” - “Stimmt...doch, das bist du, nämlich unerfahren. Kein Wunder, bei Fischen und Schafen konntest du ja kaum etwas lernen. Aber siehst du, dumm bist du nicht. Du kannst es schon.” - “Ja, bei dir. Einmal, und langsam. Worauf kommt es an?” - “Auf deine innere Einstellung. Ganz beim anderen sein, dich selbst nicht so wichtig nehmen. Wenn du dein Gegenüber voll wahrnimmst, klappt es auch zwischen euch, und schwierige Fragen kannst du dir sparen, das kommt auch so rüber. So, jetzt sind wir erst mal da.”

Wir kamen in Atlantis an, gingen auf ein Gläschen zu Poseidons Faß rüber, aber kein Malcolm, keine Vahrsonia. Dafür kam Emeraldia strahlend auf uns zu “ist ja toll daß ihr wieder zurück seid. Bleibt ihr jetzt hier?” - “Ja und nein. Wir leben fürs erste in beiden Welten.” - “Ja, klar...solange ihr das ständige Reisen ertragen könnt. Hallo, Lorna.” - “Hey, Emeraldia.” Alida zwinkerte mir zu, ja ich hatte es bemerkt. Lorna hatte den Namen gewußt...während Lorna anfing etwas über Adarnia zu erzählen und Emeraldia gern zuhörte, gingen wir wieder raus und setzten uns an die Kaimauer. Bald saßen Lorna und Emeraldia auch bei uns, intensiv redend, dann kam noch jemand dazu den Emeraldia mir später als ihren Mann Kalindor vorstellte. Wir waren in Schwätzchen-Stimmung, noch später saßen dann auch Malcolm und Vahrsonia bei uns. Sie wollten  etwas mit uns besprechen, aber es war uns zu spät. “Besucht uns morgen früh, ja?” - “Ist auch gut. Bis dann.” Wir brachen auf, die restliche Runde quatschte noch eifrig weiter. Total müde schlichen wir heim.

Und doch nicht zu müde, nicht doch noch im Bett liegend Gedanken zu folgen...”du bist nicht auf sie eingestiegen.” - “nein. Ich bin auf dich eingestiegen.” - “und ein wenig auf Vanessa...” - “das ist richtig.” - “vielleicht sollten wir so leben wie es dort wo wir gerade sind, richtig ist.” - “das geht nur in Grenzen. Ist aber richtig.” - “Vanessa auch?” - “mehr als ich.” - “was machen wir?” - “müssen wir was tun? Warten wir doch ab.” - “was denkst du..wird draus werden?” - “wir werden uns wieder lieben. Und sehen wo das hin führt.” - “möchtest du zurück?” - “Nein. Du bist wichtiger.” - “Das habe ich nicht bezweifelt. Holger müßte es so sehen wie ich...” - “und wie siehst du es?” - “ als Fragezeichen. Ich weiß es nicht.” - “Denkst du, ich? Wir können nur abwarten..was sonst?” - “Ja, was sonst.”

Ja, was schon sonst. Ich wußte nicht ob ich mir Sorgen machen müßte, wir schliefen ein.

Malcolm kam sehr früh, Vahrsonia etwas später. Es ging ihnen um dieses Projekt, Afrika von hier aus zu unterstützen, und sie fanden es schwierig, das zu tun ohne daß die Patrouillen es bemerken würden. Wir überlegten also, ob wir etwas tun könnten um unbemerkt Menschen und Nahrung transportieren zu können; und stellten fest, über die getarnte Grube würde das wohl nicht möglich sein. Die war nun mal gebaut worden, um gelegentlich Leute herein- oder heraus schleusen zu können, nicht viele und nicht regelmäßig; und schon gar keine Warentransporte. Das war also eine Sache die über vier Leute die etwas tun wollen, hinaus ging. Es waren auch schon mehr als vier Leute, Rathurnida wußte davon und unterstützte die Idee, und einige Leute hatte sie auch schon darauf angesprochen. Offenbar dachten viele darüber nach, Avalonias Isolation ein wenig zu durchbrechen, aber wie? “Einen offenen Eingang zu schaffen, und sich darüber mit England zu einigen, hält Rathurnida für unmöglich - ist es wohl auch.” sagte Malcolm und hatte das sicher richtig beurteilt. “Dann brauchen wir einen größeren, besser getarnten Eingang” sagte Alida “über den wir möglicherweise Schiffe austauschen könnten. Norman, kann man bei euch sowas machen, und wie aufwendig wäre das? Unsere Leute sind da womöglich überfragt, außerdem müßte es ganz sicher sein, daß wir weiterhin bestimmen wer kommt und geht, unbemerkt von den Briten. Das kommt mir unmöglich vor.”

“Nicht ganz...wir haben gesehen, daß die Mélanaden auch ein eisernes Schiff antreiben können. Wenn wir also einen Zugang hätten der für ein Schiff groß genug ist, und es paßt durch den Tunnel, dann ginge es schon. Nur, wie verbergen wir so etwas so gut daß Malcolm sein Projekt ausführen kann?” - “ich dachte an die Höhle, in der wir die Saskia versteckt hatten” sagte Malcolm langsam “wenn ihr in der Lage wärt, sie mit dem Tunnel zu verbinden? Alida?” - “Tut mir leid, das weiß ich nicht. Solche Dinge habe ich nicht studiert. Ist denn diese Höhle wirklich nur den Einheimischen bekannt? Nicht den Briten?” - “Keine Ahnung. Wir sollten Lorna fragen” - “Ich gehe sie holen. Moment...”

Alida ging sofort zu Lorna, und kam schnell mit ihr zurück. Lorna wurde schnell eingeweiht, war auch schnell dafür, aber “also, bisher haben die Briten keine Ahnung. Nur, wenn ihr da mit Schiffen rein -und rausfahrt, dann wird sich das ändern. Auch ist die Einfahrt viel zu eng für ein richtiges Schiff.” Da hatten wir das Problem. Die Bucht war unbehelligt geblieben weil die britischen Schiffe nicht durch die Einfahrt paßten;  und den Patrouillen war die Bucht natürlich bekannt, sie kontrollierten sie aber nicht, eben weil kein Schiff dort einlaufen kann. Mist. Für eine beträchtliche Zeit schwiegen wir uns an. “Lorna, ist das die einzige Höhle?” Alida suchte eine Alternative. “Nein, natürlich nicht; es gibt auch Höhlen die direkt zum Meer gehen. Aber was nutzen die schon, die sind ja leicht kontrollierbar.” - “Sind die alle offen, also vom Meer aus zu sehen?” - “nein, aber was nutzt uns eine Höhle deren Einfahrt komplett unter Wasser ist?”

Malcolm lächelte satanisch. “Viel...wenn wir ein U.Boot hätten.” Alida lachte. “Ein U-Boot. Natürlich. Und woher willst du das nehmen?” - “Die in der Kristallwelt könnten eines bauen - wenn Rathurnida das will.” - “Aber nein..Diesel- oder Atomantriebe, das machen wir hier nicht.” - “Wer sagt denn daß es nicht auch mit Mélanaden geht? Man müßte es probieren.” - “Unter Wasser? Niemals. Aber versuch es, Malcolm...bau so ein Ding, schön klein, und wenn das fahren und tauchen kann, und du es dennoch auch gleiten lassen kannst, dann gehen wir zu Rathurnida. Nur zu..” Alidas Lachen, von Vahrsonia noch verstärkt, machte deutlich daß sie es für unmöglich hielten. Malcolm stand auf und ging. Nun mußten wir natürlich Lorna über Mélanaden und avalonische Antriebe aufklären, wir taten das und setzten es später bei einem guten Fischessen fort. Malcolm hatte nicht gesagt wo er hin wollte, ich dachte daran wie er im Dschungel mit fast nichts als gutem Willen meinen alten Diesel aufgemöbelt hatte “warten wir es ab. Es würde mich wundern wenn er das nicht fertig brächte.”

Wir sahen Malcolm an diesem Tag nicht wieder. Also brachen wir auf Vahrsonias Vorschlag gegen Abend auf, die “neue Feuerhalle” zu besuchen.. vor allem um Lorna weitere Kontakte zu ermöglichen. Das lief dann auch gut, aber für uns war dieser Musikschuppen nichts. Die Band war nicht übel, aber nachdem ich die wirkliche Feuerhalle besucht hatte, kam mir dieser Laden wie Disneyland vor...es war zwar auch eine Lavahöhle, aber sonst gab es keine Ähnlichkeit mit der Feuerhalle am Atalan. Zu klein, ohne Wasser und völlig geschlossen machte die kleine Halle eher den Eindruck von Enge, noch verstärkt durch Überfüllung; und die Dekoration mit Drachenskulpturen war auch eher etwas für die ganz Jungen. Egal, wir suchten uns einen Sitzplatz am Rand und freuten uns an der Musik, im Gedränge der tanzenden Leute war es uns zu eng. Lorna dagegen ließ keinen Tanz aus, auch Vahrsonia hatte ihren Spaß...später, als einige der Jungen schon gegangen waren, wagten wir auch ein Tänzchen - ohne Gedränge gefiel es mir schon besser, aber als wir dann wieder draußen waren und noch einmal zum Hafen gingen um uns einen gegrillten Fisch zu bestellen, fanden Alida und ich erst wirklich in eine gute Stimmung. Lorna war schon gegangen, es war fast still am Hafen.

“Was meinst du, wird Malcolm das schaffen?” Alida wiegte den Kopf ”ein Modell zu bauen? Sicher. Das ist nicht wirklich das Problem. Er braucht einen Beschluß für das was er vorhat, und das wird schwierig. Avalonia hat sich bisher immer aus den Problemen der Welt da oben rausgehalten, jedenfalls als Land. Einzelne von uns haben sich schon eingemischt, aber noch nie ...” - “Rathurnida?” - “Die sicher nicht. Nein, sie befürwortet seine Idee. Aber das kann sie ja nicht entscheiden, er müßte eine Beratung einberufen. Und das als Nicht-Bürger, es kann glatt passieren daß nur wenige kommen.” - “Und wenn sie kommen? Wie würde die Entscheidung lauten?” - “Schwer zu sagen. Es sind sicher viele dafür, hier in Atlantis. Hier ist Malcolm bekannt, aber in den anderen Städten..ich weiß es nicht.” - “Dann wird er für seine Idee werben müssen.” - “Das wird wenig nutzen. Es ist eine Grundsatzfrage, ob wir uns einmischen oder nicht.” - “Naja..einmischen, mit Lebensmittelhilfe und Adoptionen? Oben wird man das das kaum so sehen. Die hungernden Leute werden sagen, gut daß überhaupt jemand hilft.” - “Oben wird es aber nicht entschieden.”

Wir wurden uns nicht einig, wie wir das einschätzen sollten. Ich gab schließlich auf, wußte ja daß Alida weiter blicken konnte als ich, und schließlich hatten wir wichtigeres zu tun. Nach all der Hektik und der nachfolgenden Müdigkeit gönnten wir uns eine Liebesnacht bis in den folgenden Mittag....

Technikprobleme

Malcolm kreuzte zwei Tage später auf, war müde aber zufrieden, eine halbe Stunde später führte er uns, Rathurnida und allen Leuten die gerade am Hafen waren, sein Modell vor. Er mußte sich unbeschreiblich abgehetzt haben, denn er hatte nicht nur ein Modell-U-Boot gebastelt sondern auch aus Stanley eine Fernsteuerung besorgt, unfaßbar wie er das in der kurzen Zeit geschafft hatte. Ich fand das Schiffchen seltsam, war es doch aus Zedernholz gebaut - ungewöhnlich für ein tauchfähiges Schiff; aber allgemein löste es großes Erstaunen aus, auch wegen der Fernsteuerung. Aber egal, es fuhr schön schnell und tauchte problemlos, und als er es dann einen halben Meter hoch über den Hafenplatz flitzen ließ, bekam er Applaus. Uns zeigte er dann auch die Konstruktion, und die war nun sicher nicht von ihm. Das gab er auch zu, er hatte die Fachleute in der Kristallwelt eingespannt, sie hatten Rumpf und Antrieb gebaut, er hatte lediglich eine Fernsteuerung beschafft und diese dann so verändert, daß sie die Stellung der eingebauten Mélanaden regelte. Auf Rathurnidas besorgte Frage erklärte er dann noch ausführlich, daß ein großes U - Boot natürlich nicht ferngesteuert fahren würde, sondern von ganz normalen Seeleuten gelenkt. Niemand konnte sich vorstellen wie man ein Schiff unter Wasser steuern könnte, mit begrenzter Sicht und manchmal ganz ohne....er gab zu, ohne ein wenig Technik von oben zu beschaffen, würde das nicht möglich sein - und das machte nun wieder Rathurnida sehr nachdenklich. “Malcolm, das ist gefährlich. Eure Technik ist völlig anders als unsere, wird das nicht bedeuten daß Eure Leute dieses Schiff beobachten, verfolgen oder gar einfangen könnten und somit unser Geheimnis verraten würde?” - “Daran müssen wir noch arbeiten, Rathurnida. Wir brauchen ja keine Motoren, aber Ortungsgeräte, Radar und GPS wären schon gut.”

Malcolm mußte nun erklären was das für Dinge sind, und bekam eine klare Antwort von Rathurnida “auf keinen Fall, Malcolm. Ich gebe dir freie Hand wenn du versuchen willst, etwas entsprechendes zu entwickeln - in der Kristallwelt, mit unseren Mitteln. Ich sage dort Bescheid, dir stehen alle Einrichtungen zur Verfügung, aber mach es nicht wie oben üblich. Mit dem Holzrumpf hast du schon gut angefangen, aber jetzt bleib auch dabei, mach eine Navigation möglich die nicht oben bekannt ist. Und, außerdem, überleg dir doch bitte ob du nicht doch Bürger von Avalonia werden willst, bevor du eine solche Kehrtwendung für unser Land vorschlägst.”

Der gute Malcolm machte ein zerknautschtes Gesicht. “ich fühle mich ganz wohl, so als Bürger beider Welten.” - “Du bist weder - noch. Oben hast du kein Zuhause, hier auch nicht. Das kann dir doch nicht gut tun...überleg es dir, du mußt nichts tun, aber wenn du schon über das Wohl ganzer Völker nachdenkst, vergiß dein eigenes nicht.” Rathurnida umarmte ihn und ging. Malcolm fluchte..und beschloß dann, er müsse einen trinken. Wir schlossen uns an, in Poseidon’s Faß machte er dann seinem Ärger Luft. “Müßt ihr immer so verdammt klug sein...ist ja alles richtig was Rathurnida gesagt hat, aber es ärgert mich doch. Das gibt eine lange Verzögerung, wenn wir Pech haben. Und so lange hungern Leute weiter, denen wir schon bald helfen könnten. Alida, sagtest du nicht, in West-Avalonia könnten wir unbegrenzt Nahrung produzieren? Wozu, wo es doch jetzt schon mehr als genug gibt. Und sag mir noch eines, du weißt doch immer alles. Können die Fachleute in der Kristallwelt solche Technik bauen?” - “Beruhige dich, Malcolm. Bis wir in West-Avalonia produzieren können, wird es noch dauern, noch ist das Land voller Meersalz. Und vergiß bitte nicht, wir müßten einen Tunnel bauen durch den deine Boote aus-und einfahren können, auch das braucht Zeit. Aber was unsere Fachleute angeht, mach dir keine Sorgen. Beschreibe ihnen die Aufgabe und du wirst sehen...aber sag mal, Sir Malcolm of Deventer , geht es nicht um etwas ganz anderes? Hast du nicht ein wenig Angst Vahrsonia dein Versprechen zu geben, und zögerst deshalb alles hinaus, fängst ein Riesenprojekt an um beschäftigt zu sein..und läßt dein Herz erkalten? Rathurnida hat doch Recht, oder? Hilf anderen Leuten..bravo.. .aber hilf auch dir selbst.”

Malcolm antwortete nicht. Er trank sein Glas schnell aus, orderte noch eines und beugte sich zu mir “wie hältst du das nur aus, mit einer Frau die alles weiß, alles versteht und das auch noch offen sagt. Daß ich einen Adelstitel habe, habe ich ihr nie gesagt, niemand weiß das. Es ist mir auch völlig egal...” Ich grinste ihn an “und du befürchtest nun, es geht dir mit Vahrsonia auch so. Nun, ich kann dir nur sagen, eine Frau die alles mißversteht, mißtrauisch ist und der ich alles haarklein erklären müßte, damit hätte ich ein Problem. Mit Alida - wirklich nicht.” Er richtete sich auf und sah Alida an “bleib bei Malcolm, bitte. Ich bin kein Sir...aber du hast Recht, was denn auch sonst.” Alida lachte “Du bist eine Weinnase, Malcolm. Geh zu Vahrsonia und tu was du längst hättest tun sollen - und dann bring dein Projekt vorwärts, mit ihrer Hilfe. Eine Frau die alles weiß gibt es zwar nicht, aber ich denke, wenn du ihr einen guten Grund gibst, wird sie dir derart helfen daß du diese Fragen vergißt.” Malcolm nickte nur still, trank aus und ging....es gibt tatsächlich Leute, die können nicken und den Kopf schütteln, gleichzeitig.

“Er hat keine Ahnung wie weit unsere Technik entwickelt ist” lächelte Alida “nur weil wir nicht alles  machen was wir machen können. Du hast dich doch mit Emeraldia angefreundet?” - “Ja - was hat das damit zu tun?” - “Nun, ich sehe es dir doch an. Du würdest ihm gern helfen...tu es, geh zu Emeraldia und frag sie nach Tauchtechniken. Ich kann das nicht...es würde alles wieder aufrühren. Ich gehe zu Rathurnida und klopfe mal vorsichtig an ob sie einen Tunnel für Malcolms Boote in Auftrag geben kann. Heute Abend, bei Davorian?” - “ja..wenn du meinst.” Sie stand auf, und ich fragte mich was sie nun wieder wußte und ich mir mühsam erarbeiten mußte. Langsam ging ich zu Emeraldias Haus und wußte keine Antwort darauf. Die Begrüßungszärtlichkeiten, schön lang aber weniger intensiv, taten mir gut, auch als das vorüber war nutzte ich die avalonische Sitte lange aus, wir lagen zusammen und küßten uns immer wieder, und richtig, ich mußte nichts erklären....

“Alida kann das nicht machen” sagte sie unvermittelt und löste sich von mir “Ihr verstorbener Mann, du weißt ja. Jetzt wo sie mit dir zusammen ist, vermeidet sie jede Berührung mit früher. Dir macht es ja hoffentlich nichts aus, wir müßten nach Nord-Avalonia.” - “Kein Problem. Ist es nicht sehr gefährlich dort?” - “Das ist es, ja. Du mußt hundertprozentig tun was ich sage...aber wir können tauchen, schon lange. Malcolm müßte unsere Technik nur etwas verfeinern...oder die Technik der Alten anwenden. Die war allerdings für böse Absichten gebaut worden, und liegt auf dem Meeresgrund. Aber laß uns einfach hinfahren, du wirst sehen.”

Emeraldia überraschte mich sehr. Sie fuhr den Gleiter wie der Teufel, es war ja auch ganz schön weit. Bei einer kleinen, unschön aussehenden Landzunge auf der etliche kleine Krater einen üblen Gestank verbreiteten, setzte sie den Gleiter aufs Wasser ab. Langsam fuhr sie dann zu einem Steilufer, an dessen Hang kleine Hütten zu sehen waren. Wir stiegen etwas hinauf, betraten eine dieser Hütten, Emeraldia nahm ein Gestell aus einem Regal, das sah aus wie eines auf den Gleitern, nur daß der Kristall größer war und allseitig geschliffen, auch die untere Seite. Wir mußten das Ding zusammen zum Gleiter tragen, es zog ständig in irgendeine Richtung “ein Tauchgestell, Norman. Stärker als die üblichen, und schwerer. Damit kann der Gleiter auch unter Wasser fahren, aber das ist nicht einfach. Du steuerst nicht, und hältst dich an den Bänken fest! Nicht hinauslehnen, und den Gleiter nur verlassen wenn ich es sage - und wie ich es sage. Du kannst leicht ertrinken..also keine Tollkühnheiten, bitte.” - “Mach du nur. Ich bin dein Schüler.” unruhiger Meeresboden

Sie lächelte zufrieden, und mir fehlten mal wieder die Worte. Sie steuerte aufs Meer hinaus, dann griff sie zum Kristall und verdrehte ihn , und sofort gingen wir unter...aber wie! Eine Luftblase umschloß den Gleiter, anfangs sah das aus aus wären wir von Kristall umgeben; mit zunehmender Tiefe aber glättete sich diese Luftblase, wir konnten die Umgebung sehen. Die war allerdings nicht angenehm...das Wasser war klar und blau, aber der Grund....Felsspalte, Risse, kleine Krater. Lavaströme krochen aus Öffnungen, das Wasser darüber kochte. Tiefer ging es, und zwischen den Lavaströmen und Schutthalden tauchten Bruchstücke von Ruinen auf, große sehr exakt behauene Steinblöcke, massive Säulen, alles kreuz und quer verstreut, was es einmal gewesen war - unmöglich zu erkennen “was ist das, oder was war das, Emeraldia?” - “Der Kriegshafen Kavothrakis. Er wurde für die Kolonialkriege gebaut und damals vom Unglück total zerstört, es gab keine Mélanaden hier. Die Vulkane verschütten ihn allmählich, und Steintaucher versuchen so viel wie möglich davon zu retten, für Neubauten in West-Avalonia.” - “Und was suchen wir hier?” - “Die Xanthor. Das einzige Schiff das die Katastrophe überstanden hat.” - “Das ...du veräppelst mich. Kein Schiff kann so lange bestehen.” Emeraldia strahlte “die Xanthor schon. Du weißt noch immer nicht genug...natürlich haben Generationen dieses Schiff gepflegt, es ist ein Denkmal. Und ebenso natürlich ist so manches Teil auf der Xanthor nicht so alt wie der Rumpf; aber der ist aus Mélaneisen, und du weißt ja, das rostet nicht.” - “Warum liegt sie nicht in einem sicheren Hafen? Hier wird sie doch sicher allmählich verschüttet?” - “ja, das wird sie. Das ist auch schade, aber wir können auch nicht alles. Die Xanthor war längst außer Betrieb, als das Unglück sie erwischte. Ihr Bug wurde von einem Lavastrom eingeschlossen, sie läßt sich nicht mehr bewegen. Aber das muß sie auch nicht, um dir zu zeigen was Malcolm tun könnte.”

Emeraldia ließ mich rätseln was sie damit gemeint hatte, dann tauchte ein massiver Schatten vor uns auf. Über einem tiefblauen, scheinbar bodenlosen Abgrund hing ein riesiges Schiff frei im Wasser, nur sein Bug steckte in einer schwarzen Wand und was davon frei lag, war mit Geröll bedeckt. Weiter hinten war das Schiff aber unbeschädigt und auch sauber, ich sah Aufbauten wie breite Häuser, das größte davon hatte eine Art Glaskuppel auf dem Dach. “Die Xanthor war kein U-Boot, aber sie konnte tauchen” sagte Emeraldia und steuerte uns unter das Heck. “Sie wurde benutzt um andere Schiffe unter Wasser zu rammen. Deshalb ist sie aus Mélaneisen, und deshalb hält sie dem Druck des Vulkans stand. Wir halten sie sauber und reparieren alles was altert...sie wird dir wie neu vorkommen. Aber aus dem Griff des Tharokan können wir sie nicht befreien. Das will auch keiner, wir brauchen ja keine Kriegsschiffe mehr.” Ich sagte gar nichts, staunte nur. Emeraldia ließ unseren Gleiter unter dem Heck des Riesenschiffs hochgehen bis wir fast dagegen stießen, unsere Luftblase legte sich an das Metall der Xanthor an, ich sah eine glänzende, bronzefarbene Oberfläche, perfekt glatt und ohne jede Macke....”So, wir sind angekommen. Moment..” Emeraldia nahm einen Mélanaden aus ihrer Tasche und legte ihn einfach an den Schiffsrumpf an. Eine kleine Luke öffnete sich “hochspringen, hochziehen” sagte Emeraldia und tat es auch schon. Ich folgte ihr und stand verwundert in einem hellen, großen Raum; unter uns schloß sich die Luke.Wir waren nicht naß geworden.

“Die Xanthor ist sehr groß” sagte Emeraldia “bleib immer bei mir, ich möchte dich nicht suchen müssen.” Das war unnötig. Ich war sehr beeindruckt und ließ mich gern führen, aber der Eindruck war zwiespältig. Das Schiff war eine Meisterleistung,  zweifellos - aber die großen Waffenkammern, die Mannschaftsräume und die starken Außenwände sprachen deutlich vom Zweck der Xanthor. Emeraldia erklärte vieles, auch den Antrieb durch Mélan-Wasser -Explosionen, die dem Schiff wohl eine enorme Geschwindigkeit und eine große Wucht beim Rammen verliehen hatte “normalerweise fuhr es unter Segeln, aber beim Angriff benutzte es diesen Antrieb - normalerweise griff es Galeeren an, und ein Stoß war genug um eine Galeere zu zerlegen” sagte Emeraldia, ich konnte mir das mühelos vorstellen.  “Was machen wir nun hier?” - “Die Brücke besichtigen. Komm mit.” Sie ging ganz nach oben, wir betraten den Raum mit der Glaskuppel von innen. Dort gab es nichts was ich von einer Schiffsbrücke kannte; kein Kompaß, kein großes Rad, keine Sprechanlagen...aber einen großen Tisch in der Mitte, in einem großen Kreis der mit einem Steinmaterial belegt war, ähnlich wie Achat, befand sich dort ein kleines Abbild der Xanthor. “Sieh zu..” sagte Emeraldia und bewegte das Modell vorwärts, einige Zentimeter. Plötzlich war die Achatfläche nicht mehr milchig, sondern zeigte ein Bild.. .vor uns die Vulkaninsel, sie berührte die Spitze des Modells. Aber auch das Meer jenseits davon, den Boden..und weit weg, gut zu erkennen, die afrikanische Küste. Südlich den Umriß von Avalonia, den Rumbokan, die Kristallwelt, die Malvinas. Dahinter, nur ein wenig davon, Südamerika. “Fantastisch..” stammelte ich “wie funktioniert das? - “ Ein Lichtsammler, sagen wir. Die Scheibe ist verbunden mit etlichen “Augen” an der Außenseite des Schiffs. Genaueres weiß ich nicht, aber wenn Malcolm denen in der Kristallwelt sagt, sie sollen einen Lichtsammler bauen, dann machen die das. Sie werden ihn nicht darauf hinweisen, das Ding gilt als Kriegstechnik und ist daher unbeliebt. Nun, vielleicht kann es jetzt einmal Gutes bewirken.” - “Gut..ja..und wenn die Xanthor nicht fest säße, würde sie jetzt losfahren?” Emeraldia lachte. “Also, sie ist dreitausendfünfhundert Jahre alt, vergiß das nicht. Nein, man müßte auftauchen, Segel setzen oder die Mélanrakete bedienen. Der Lichtsammler kann dir nur zeigen was um dich herum ist; was klein und nah ist, das mußt du durch die Glaskuppel sehen. Ist eure Technik etwa besser?” - “Ungleich, anders. Sehen würden wir nichts oder nur Signale auf Bildschirmen.  Boote mit solchen Kuppeln haben wir auch.”

“Na, dann wird Malcolm sowas ja fahren können?” - “Wahrscheinlich. Und das Schiff kann sich wirklich nicht rühren? Ich würde gern mal so einen Koloß fahren .” - “Nein, wirklich nicht. Sie ist vorn völlig eingeklemmt. Du kannst dir den Antrieb ansehen, wenn du magst - aber fahren geht nicht, es wäre heute auch verboten einen solchen Antrieb einzusetzen...möchtest du es sehen?” - “Ja, gern.”

Wir gingen ganz ins Heck, ein großer etwas dunkler Raum. In seiner Mitte eine gewaltige Kugel aus Mélaneisen, ein Rohr nach draußen, eine Art Pumpe an der Kugel und Regale mit Gläsern, leer, nur eines enthielt das flüssige Mélan.”Also...die Kugel ist mit Wasser gefüllt, Norman. Wenn du jetzt mit der Pumpe etwas   Mélan hineindrückst, explodiert das Wasser und der Druck jagt es durch das Rohr nach draußen. Die Xanthor wird nach vorn geschleudert, die Kugel kühlt ab, füllt sich wieder mit Wasser...und so weiter.” ich sah mir das genau an, erstaunlich simpel war das.   “Könnte das noch funktionieren?” - “Warum nicht, aber du darfst nicht. Es wäre zu schade um das wertvolle Mélan - als die Xanthor gebaut wurde, war sein wahrer Wert ja noch nicht bekannt. Und fahren würde sie ja auch nicht. Du kannst einen winzigen Tropfen nehmen und testen wie das läuft, aber die Pumpe füllen, das darf ich dir nicht erlauben...wir müßten aber zunächst unseren Gleiter in Sicherheit bringen. Soll ich..?” - “Ach, laß. Ich glaube es dir auch so...und diese Technik brauchen wir ja auch nicht. Du, wenn Malcolm es hinbekommt... es würde ja auch das Reisen erleichtern.” - “Ich weiß nicht ob er die Fähre machen will, und wenn, dann nach Afrika.” - “Besser Afrika als dieses öde Adarnia. Da kommt man so schlecht weg, so schlecht hin. Und aufpassen muß man auch noch...also ich hoffe, es gibt bald einen besseren Weg.”

Wir redeten und redeten, sahen uns jeden Raum auf der Xanthor an und fuhren schließlich zurück, ich sehr beeindruckt von dem was ich gesehen hatte, Emeraldia eher müde vom ungewohnten Job als Museumsführer...trafen Alida in Davorian’s Fischlokal, und weiter ging es mit dem gleichen Thema, bis Malcolm aufkreuzte. Der hörte interessiert zu...“Die haben gesagt, ich müßte ihnen Pläne von Radargeräten besorgen, aber kein Wort von einem Lichtsammler. Mistkerle” fluchte er und beruhigte sich auch nur halb als Emeraldia ihm erzählte, warum diese Technik verpönt war - nun fluchte er eben, sakrament, daß er ja nichts Böses vorhatte. Dann fluchte er über Vahrsonias Kinder, die ihn total ausgefragt hätten...warum, das begriff nur Alida. “Ihr habt euch also das Versprechen gegeben.” - “Ja, verdammt noch mal. Aber ich bleibe Bürger beider Welten!” - “In Ordnung, verdammte Scheiße.” grinste Alida und Malcolm schwieg verblüfft..auch ich hatte noch nie einen Fluch aus ihrem Mund gehört. Malcolm brach auf, Richtung Kristallwelt. “Vahrsonia ist schon da” sagte er beiläufig und weg war er. “Das läuft” sagte Alida als wir Emeraldia auch verabschiedeten.

“Alida, Vahrsonias Kinder? Ist ihr Mann auch untergegangen, oder warum ist sie frei für Malcolm?” - “Ach, das ist eine traurige Geschichte. Was mit Marindor ist, wissen wir nicht. Er ist vor vielen Jahren auf Reisen gegangen, und nie zurückgekommen. Vielleicht hat er da oben einen Unfall gehabt; er hätte Vahrsonia niemals verlassen, auch die Kinder hat er sehr geliebt. Sprich sie nicht darauf an, es ist ihr sehr schwer gefallen einzusehen daß es dumm wäre, noch länger zu warten; Marindor wollte nur etwa zwei Monate weg bleiben...das war kurz vor dem Krieg um die Malvinas. Ist vielleicht sogar besser daß wir nicht wissen was ihm zugestoßen ist. Jedenfalls ist sie jetzt glücklich mit Malcolm, das ist wichtig für sie und die Kinder.”

Wieder Aufbruch

Wir sahen die beiden lange nicht wieder. Malcolm und Vahrsonia waren doppelt beschäftigt, in der Kristallwelt und beim propagieren ihrer Idee. Wir waren oft in West-Avalonia, nahmen auch gelegentlich Lorna ins Schlepptau und zeigten ihr mehr von Avalonia, auch wir machten Propaganda für eine Schiffslinie Avalonia - Afrika; und fanden offene Ohren dafür. Die Sorge, das geheime Land zu enttarnen bekamen wir nur selten zu hören, offenbar war die Zeit reif für Malcolms Idee, auch wenn wir oft heraus hörten daß die Leute weniger an Afrika dachten als daran, leichter reisen zu können. Emeraldias Mann war kurz in Stanley,  kam zurück und berichtete, daß es immer schwieriger würde ungesehen die Grube zu erreichen - Wasser auf unsere Mühlen. Nur, was man von Malcolm so hörte, es ging nicht so recht voran. Er hatte zwar jetzt seine Navigation mit avalonischer Technik und war ganz begeistert davon, aber ein großes Schiff in Holzbauweise zu bauen das tauchen kann, das erwies sich als schwer - und eine Metallkonstruktion kam nun mal nicht in Frage. Die hätte man leicht orten können...Malcolm war oft niedergeschlagen, wenn wir ihn kurz in Poseidons Faß trafen.

Oben im Norden wurde es Frühling, hier Herbst, und Alida wurde öfter benötigt um Gäste einzuführen, so half ich dann Malcolm in der Kristallwelt und konnte wenigstens die Nächte mit Alida verbringen; aber das gefiel mir gar nicht. Ich fing an zu überlegen ob ich nicht auch hier arbeiten könnte, aber das war schwierig. Zeitungen gibt es auf Avalonia nicht,  auch keine anderen Medien. Etwas anderes hatte ich nicht gelernt, und fing an wieder öfter an Hamburg zu denken. Alida ebenfalls, denn sie erinnerte sich gern an den Frühling am Rhein...wir überlegten. Malcolms Pläne waren noch nicht so weit gediehen daß wir ihn wirklich unterstützen konnten. Eigentlich sprach nichts dagegen, den Frühling in Deutschland zu verbringen, wenn auch nicht unbedingt in Hamburg. Als wir uns dann im Palast abmelden wollten, erlebten wir eine Überraschung: wir mußten warten, der Tunnel war außer Betrieb, und man wollte uns nicht sagen warum. “Das ist seltsam. Geheimniskrämerei paßt so gar nicht zu Rathurnida..” sagte Alida dazu, aber Rathurnida war nicht zu sprechen.

Etwas verwundert hatten wir also nichts zu tun, was mich wieder dazu brachte herunzufragen; wo es ein West-Avalonia gab, da könnte doch auch..?”Alida, gibt es auch eine Ostregion?” - “Ja..schon...aber das ist kein angenehmes Land, dort leben kaum Leute. Das ist südlich vom Rumbokan, eine weite Ebene, Schwemmland. Es wurde zwar trocken gelegt, aber das gilt nur für Meerwasser. Es ist nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, feucht und grundlos, Städte kann man dort nicht bauen. Wenn du es sehen willst...nun, das einzig Schöne daran ist wohl für dich, daß wir dort Rinder züchten.” - “Ja warum denn nicht? Zeit haben wir ja - leider.” - “Na gut, über ein saftiges Steak wirst du dich wohl freuen...fahren wir hin.”

So kamen wir in eine Region Avalonias, die nicht vulkanisch ist. Nicht vulkanisch ist aber auch nicht ganz richtig, denn der schwarze Boden ist nichts anderes als Vulkanasche vom Rumbokan; aber Ostland ist selbst nicht vulkanisch aktiv, hat auch keine heißen Quellen und so kam es mir fast heimisch vor, kleine Dörfer mit rauchenden Schornsteinen, die es sonst nirgendwo in der unteren Welt gibt, Kanäle, Auen und ausgedehnte Wiesen, ein wenig wie Norddeutschland, nur wärmer. Alida zeigte mir Rinderherden, führte mich durch ein Dorf von Rinderzüchtern und steuerte dann ein Lokal an, das auf seiner Terasse einen gewaltigen Grill betrieb, ein ganzer Ochse wurde dort gebraten - und richtig, das gefiel mir sogar sehr. Wir verbrachten dort einen ganzen Tag, am Abend jedoch ergriffen wir die Flucht, weil Moskitoschwärme über uns herfielen. “ich sagte ja, Ostland ist nicht so erfreulich. Übrigens, hier leben besonders viele Neubürger, Amerikaner, hauptsächlich aus Brazil. Wenn du magst und wir ohnehin wieder auf Vorführtour sind, machen wir uns einen schönen Abend in Therartris.” - “Wo ist das denn?” - “Nicht weit von Atlantis, in der Westkette. Vielleicht die ungewöhnlichste Stadt hier.” - “Was ist daran ungewöhnlich?” - “Es ist eine neue Stadt, keine fünfhundert Jahre alt. Es liegt zwischen drei aktiven Vulkanen..na, du wirst sehen. Okay?” - “Warum nicht.”

Ich sah nichts von einer Stadt, als wir Atlantis überflogen und ein langes Tal in der Westkette durchquert hatten, Alida nach unten steuerte und ich angestrengt versuchte, zu erkennen wo sie denn landen wollte. Nichts als schwarze, felsige Hänge und über uns der Schatten einer Aschewolke, kleine schwarze Flocken schwebten um uns herum...”da ist doch nichts.” - “Wart’s ab..” sie steuerte scharf abwärts, und in einen tiefen Schatten hinein. Hoppla, das war ein großer Überhang, darunter gab es das bekannte rosa Licht und mehrere große Bögen, durch einen davon fuhren wir in die Stadt, es wurde sehr hell, belebte Straßen, gelegentlich Ausblicke aufs Meer durch einen solchen Bogen...”Theratris wurde aus folgendem Gedanken geboren, Norman. Warum sollen wir warme Quellen aus den Vulkanbergen in die Städte leiten und damit die Häuser heizen? Bauen wir doch eine Stadt da, wo ein Vulkan sie verschüttet, dann ist sie warm weil der Boden, die Wände, die Decke warm sind . Wir müssen dann nur immer die Stadt erweitern, wenn der Nardokan seine Asche und Lava über das schützende Dach hinaus ausbreiten will - das Dach wird verlängert, der Vulkan bedeckt es, durch die Bögen bekommen wir Luft und Verkehr - aber vor Wetterunbilden sind wir hier ebenso geschützt wie gegen Lava oder Asche. “ - “Ja, sagenhaft...aber was, wenn er so richtig tobt und sowas wie Glutwolken ausspuckt?” - “Die rauschen an Therartris vorbei ins Tal. Klar, viel Dreck macht sowas schon, aber in die Stadt kommt das weniger, sie liegt ja am Hang und der ist steil. Andere Städte sind ja auch nicht davor sicher, dann heißt es halt kehren...Außerdem ist das selten und klein, der Nardokan ist ja ständig aktiv. Therartris ist aber nichts für Leute mit schlechten Nerven, laut kann es schon werden, und Erdbeben gibt es oft. Naja, Schränke sind hier unpraktisch, und Glasgeschirr auch.”

Alida lachte, ich staunte mal wieder. Wir stiegen aus und ich bewunderte massive Gebäude, die nicht mit einem Dach endeten sondern der Sockel einer der vielen Säulen waren, die die mächtige Decke trugen. Die war nun wieder mit Mélanaden bestückt, sodaß es überall ohne Schatten hell war. “Ist ja toll, aber wenn die Leute mal grüne Natur sehen wollen?” - “Dann ist es nicht weit nach West-Avalonia, und das wächst ja ständig. Es gibt auch einen Hafen im Berg, wenige Kilometer westlich, also aufs Meer hinaus zu fahren ist ebenfalls leicht. Aber klar, es ist schon eine etwas verrückte Stadt, man muß das lieben oder nicht hierher kommen.” - “und was liebst du hier?” - “Du wirst schon sehen.”

Wir gingen durch eine basarartige Straße, und landeten in einem Lokal, das war so groß wie bei uns eine Stadthalle. In viele Bereiche untergliedert, bot es so etwas wie ein Café, ein Restaurant und ein Tanzlokal, eine gute Gruppe spielte, und in jedem Raum gab es mindestens einen großen Mauerbogen der den Blick aufs Meer freigab. Alida ging vor, begrüßte an mehreren Tischen etliche Leute, und schließlich saßen wir an einem großen runden Tisch mit etwa zwanzig Leuten, alle gut bekannt mit Alida, alle neugierig auf mich...und dann kam auch noch bester Wein. Es wurde spät und später, wir redeten und redeten, bis in den Morgen ging das und war keine Sekunde langweilig. Die Band machte Schluß, aber die Bühne blieb nicht leer; an Stelle der Musiker erschienen Schauspieler, es gab eine Art Drama...wir merkten gar nicht, daß außerhalb des Lokals der Alltag begann. Eigentlich wie in der Kristallwelt, stellte ich fest - massiv überdacht und künstlich beleuchtet wie das ganze Land. Kein übler Entwurf, aber eine Stadt mit Himmel darüber ist mir doch lieber, auch wenn der aus Wasser besteht.

Als wir endlich heim fuhren, war es heller Tag und ich hatte meine anfängliche Skepsis vergessen; was macht schon ein kleiner Erdstoß, so ab und an, oder ein dumpfes Grummeln...lebten wir nicht in Hamburg auch gefährlich? Ich hatte die Sturmflut von ‘62 miterlebt.  Ich hätte zwar nicht in Therartris leben wollen, aber dort gelegentlich einen Tag zu verbringen, das war wirklich nicht übel. Zum Schlafen war es natürlich zu spät, wir frischten uns mit einigen Gläsern Cualarin auf und gingen wieder zum Palast.

Rathurnida war bei den Schreibern, kam sofort auf uns zu “tut mir leid daß ihr nicht fahren konntet. Heute nachmittag ist der Tunnel wieder offen, ihr könnt schon losfahren.” - “Was war denn los?” - “Ach, Bauarbeiten. Ich hatte das letzte Woche in Auftrag gegeben, es hat ein wenig länger gedauert. Wir haben einen kleinen Gang zu der Höhle gelegt, die Malcolm benutzen will und dort schon einmal sondiert; es sieht gut aus. Wenn er sein Boot nicht fertig bekommt , wird es jedenfalls einen zweiten Zugang geben, der nicht mitten auf Adarnia liegt; mit einem tauchfähigen Gleiter geht das ja auch. Aber trompetet das noch nicht herum, ich bringe das bei der nächsten Beratung zur Sprache.” - “Könnten wir diesen Zugang schon benutzen?” - “Wenn ihr einen ganz kleinen Tauchgleiter nehmt, ja. Aber bringt mir das Ding zurück, und laßt es nicht oben auffallen. Ihr wollt doch nicht etwa damit nach Hamburg ?” - “Warum denn nicht, wenn wir ihn dort gut verstecken?” - “Aber wirklich gut. Macht niemanden auf uns aufmerksam, bitte.” Alida umarmte Rathurnida, wir verabschiedeten uns.

An der unteren Pforte hatten sie schon drei kleine Tauchgleiter, es war kein Problem einen davon zu entführen. Einer der Wächter kam mit uns und steuerte uns durch den Gang, der noch roh und unbeleuchtet war; in der Höhle ließ er uns dann allein. Alida nahm das Steuergestell und hatte etwas Herzklopfen “getaucht bin ich noch nie. Wundere dich nicht wenn ich etwas ungelenk herummache.” Das war natürlich unbegründet, sie konnte mit diesen Dingern umgehen, und außer einem kleinen Bums am Höhlengrund passierte gar nichts. Tief war das Wasser nicht, und wie magisch erleuchtet durch das Sonnenlicht das durch den Höhleneingang unter Wasser herein fiel; ein ganz anderes Gefühl als im Bergwerk. Wir kamen mühelos nach draußen und machten uns auf die weite Reise, aber dann kamen die Schwierigkeiten.

Zunächst war ich sehr erleichtert. Direkt aus dem Tunnel aufs offene Meer zu fahren war wesentlich angenehmer als durch dieses Bergwerk zu schleichen. Aber dann...Wir waren schnell aufgebrochen, und außer einer Flasche Cualarin und etwas geräuchertem Fisch hatten wir nichts dabei, aber das war nur der Anfang. Kein Kompaß, keine Karte, kein GPS und keine Ahnung, wie wir das winzige Schiffchen nach Hamburg bringen sollten...Alida störte das gar nicht “also, direkt nach Osten und natürlich in der Luft, kommen wir nach Afrika. Dann immer an der Küste entlang...das ist zwar etwas weiter, und nicht so gut bei Schlechtwetter. Aber wir kommen hin, und für den Rückweg könnten wir uns ja einen Kompaß besorgen.” Ich konnte nur den Kopf schütteln, aber sie hatte noch immer Recht behalten...so auch diesesmal, und ich konnte nur staunen wie schnell so ein Gleiter sein kann. Das Biest brachte uns noch vor Sonnenuntergang an die afrikanische Küste...”Alida, wie hast du nur gewußt wo Osten ist?” - “Ich nicht, der Gleiter. Ach so...klar...Norman, ein Schiff wird relativ gesteuert, ein Gleiter absolut .” - “Tut mir leid, aber das kapiere ich nicht.” - “Ja, logisch. Also, wenn du auf einem Schiff das Steuer drehst, richtet sich das Schiff nach einer Strömung die am Ruder entsteht. Es könnte sich auch endlos drehen, nicht wahr?” - “Ja. Ein Gleiter nicht?” - “Nein. Wenn du das Gestell gerade hältst, fährt er nach Norden. Immer. Schwenkst du links, nach Westen; rechts nach Osten und wenn du es ganz kippst, nach Süden. Wenn er sich drehen soll, mußt du auch das Gestell ständig drehen.” - “Woran liegt das? Ich weiß, Schwerkraftbetrieben. Aber was heißt das genau?” - “Also, unsere Forscher sagen, die Erde hat ein Schwerkraftfeld. Es besteht aus Wellen, die vom Südpol zum Nordpol laufen. Der Kristall schwingt sozusagen mit, wenn er mit der Spitze nach Norden zeigt. Neigst du ihn nach unten, geht es abwärts, nach oben aufwärts..seitlich..und so weiter. Genau nach Osten bedeutete also eben, nach rechts schwenken. Nun lasse ich wieder los....” Der Gleiter schwang nach Norden und folgte der Küstenlinie.

“Und nach oben? Wir sind schon ganz schön hoch...könnten wir ins All fliegen?” - “Das weiß ich nicht. Ich hatte noch nie einen Gleiter dabei, in der oberen Welt; aber ich denke, nein. Einmal, es wäre wohl ganz schön kalt....” - “Ist es jetzt schon.” - “Und dann, mit dem Abstand von der Erde müßten die Wellen schwächer werden. Es wird sicher eine obere Grenze geben...” - “Bitte nicht ausprobieren.” - “Nein, nein. Was sollen wir auch so weit oben.” - “Und das Tempo? Es kommt mir wahnsinnig schnell vor.” - “Ist es auch. Ich schätze, wir werden etwa vier Stunden brauchen. Wenn ich nicht einem Unwetter ausweichen muß..” - “Um nicht naß zu werden?” - “Unsinn. Um etwas sehen zu können, natürlich.  In einem Gleiter kannst du nicht naß werden.”

Ich gab es auf, ich hätte stundenlang so weiter fragen können - ich sah mir lieber die Küste unter uns an, genoß den Sonnenuntergang und registrierte daß Alida etwas später die Küste verließ und über die Sahara flog...von der ich bald gar nichts mehr sah, es wurde dunkel. Wir aßen Fisch, tranken Cualarin..und unter uns huschten Lichterketten durch, die Küsten des Mittelmeers. “Jetzt bist du dran” sagte sie und drückte mir das Gestell in die Hand “Europa kenne ich nicht so gut. Findest du Hamburg?” - “was denn, mitten in der Nacht???” - “Tja, die Sonne kann ich nicht einschalten.” - “Du spinnst. Unmöglich. Mal sehen ob wir den Rhein sehen können, da wolltest du doch hin - da könnten wir landen und den Morgen abwarten.” - “Auch gut.” Über den Alpen schnatterten wir vor Kälte...

Den Fluß erkannte ich nicht, aber den Bodensee. So kam es daß Alida - ich traute mich nicht - den Gleiter dort in Ufernähe aufsetzte, wir banden ihn an eine überhängende Weide und verbrachten etwa zwei Stunden auf den Wellen, leicht geschaukelt und verdammt müde. Dann weigerte ich mich zu steuern, sah lieber hinunter und dirigierte Alida; am Rhein entlang, über das flache norddeutsche Land nach Hamburg, das war tatsächlich nicht schwer, aber wir froren erbärmlich, trugen wir doch noch die dünne avalonische Kleidung. Wir hatten uns schon ausgedacht was wir mit dem Gleiter tun konnten, Alida setzte ihn gekonnt auf das Heck der Saskia auf - eine Persenning drüber, das Gestell in den Laderaum, und fertig. Nun hatte die Saskia eben zwei Beiboote und ich war froh daß die verrückte Fahrt vorbei war. Nach Hause nahmen wir lieber ein Taxi, um nicht so aufzufallen, aber auch dem Taxifahrer fielen fast die Augen raus. Er witzelte, so dürften wir eigentlich nur auf der Reeperbahn herumlaufen. Wir waren zu müde, das zu kommentieren.

Selten war ich so froh gewesen mein altes Bett vor mir zu haben...

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