Schiffbrüchig

Ich möchte mich vorstellen. Mein Name ist Norman Weinstein, ich bin über sechzig Jahre alt und bin oder war ein bekannter Journalist für ein Nachrichtenmagazin. Sie kennen mich sicher, aber nicht unter diesem, meinem wirklichen Namen. Wissen sie, als ich anfing war es unklug diesen “jüdischen” Namen zu verwenden; und als das dann kein Problem mehr war, hatte ich mich an mein Pseudonym gewöhnt - so sehr, daß ich mich auch hier scheue es zu nennen; es ist auch so, daß die Erfahrung über die ich hier berichte, absolut gar nichts mit meiner beruflichen Tätigkeit zu tun hat. Ich kann es auch niemand verübeln wenn er mir kein einziges Wort glaubt von all dem, was ich hier bringe. Ich kann es ja selbst kaum glauben, jetzt, wo ich nur noch manchmal, vorübergehend in Hamburg bin und überlege ob ich für ein paar Tage meine frühere Tätigkeit wieder aufnehmen soll, was mir oft als völlig unsinnig vorkommt. Das mag sich ändern, ich weiß es nicht. Ich möchte sie nur bitten, bevor sie meine Erzählung als erfunden verwerfen, bedenken sie bitte daß ich in meiner gesamtem beruflichen Laufbahn noch niemals eine von mir recherchierte Sache nachträglich korrigieren mußte.

Es fing damit an, daß ich nach etlichen Jahren ohne Urlaub der Meinung war, ich hätte mir einen solchen verdient; und zwar, wenn schon, dann richtig. Wer praktisch kein Privatleben hat, gibt auch kein Geld aus....und ich hatte viel verdient.  So fiel es mir dann auch leicht, mir eine stattliche, wenn auch alte Motoryacht zuzulegen; und auf dem Wasser ist ein Hamburger ja zuhause - sein natürliches Element, ich war schon oft auf Yachten mitgefahren, für Interviews oder danach, eingeladen - und hatte mir auch schon hin und wieder mal so einen Kahn geliehen. Dachte also, schippern kann ich, und mein alter Traum von Südamerika lebte gerade noch. Den wollte ich verwirklichen, erst mal nach Rio, dann die Küste entlang, Magellanstraße, an der Westküste rauf, vielleicht Osterinseln...jedenfalls wenigstens ein Jahr lang keine Re die Saskia auf der Elbedaktion, kein Handy, keine Börsenkurse und kein Finanzamt. Das schien mir einfach zu verwirklichen, und was den ersten Teil anging, Schiff kaufen, ausrüsten, auf der Nordsee herumschippern und ein wenig üben, stimmte das ja auch. Ich machte mir nicht die Mühe, erfahrenere Leute um Ratschläge anzugehen, warum denn, ich würde das schon schaffen.

So sah es dann auch aus. Ich fuhr los, und gleich im Ärmelkanal erwischte ich den ersten Sturm. Den hatte ich gut bewältigt, noch nicht einmal seekrank geworden war ich; über den Atlantik lief es dann glatter als erwartet. Miami, alles paletti - und ich verzichtete auf Florida. Allein auf dem alten Schiff fühlte ich mich wohler als erwartet, ich verschob den ersten Landgang ein wenig und steuerte Havanna an. Das revolutionäre Cuba...ich hatte einige Artikel darüber geschrieben, ohne jemals dort gewesen zu sein. Bald wußte ich, das war auch gut so gewesen - diese Artikel wären negativer ausgefallen, hätte ich die bröckelnde Realität der alten Hauptstadt schon gekannt. Erst am Abend gefiel es mir doch ein wenig, in einer Bodega am Hafen mit Musik und Gedränge...aber das wurde mir schnell zuviel und zu laut. Auf der See allein zu sein übte einen ungewohnt starken Reiz aus, also tuckerte ich im ersten Morgenlicht weiter.

Da fing es bald an anders zu laufen als geplant. Ich hatte mir Montserrat vorgenommen, das Paradies mit dem berühmten Tonstudio, das ich mir unbedingt ansehen wollte. Leider fand ich die Insel im Chaos eines gigantischen Vulkanausbruchs vor und wagte mich nicht näher ‘ran als einige Seemeilen, und informierte mich per Funk. Tja, nix mit Tonstudio und der Hafen geschlossen - so sah es auch aus, ein trauriger Anblick  Ich machte einen weiten Bogen um den Vulkan der sich als Dreckschleuder betätigte, bekam aber dennoch einiges an grauer Asche ab und “durfte” abwechslungsweise das Deck schrubben. Vielleicht war das auch die Ursache für das nächste Problem...

Ich tuckerte also weiter in Sichtweite einiger Inseln,  und dann auch bald über die Amazonasmündung...alles lief gut. Meine neue alte “Saskia” lief gut, schneckenlahm zwar, aber ich hatte ja Zeit. Ich genoß es nur unter Menschen zu sein wenn ich es wollte, also anlegte und mir einen Hafen ansah; meistens war ich schnell wieder an Bord und fuhr weiter, was Stille und Zeit zum Nachdenken anging, hatte ich Nachholbedarf.

Dabei wandelte sich ganz langsam, ganz unmerklich, meine Einstellung zu dieser Tour. Was ich geplant hatte fing ich an zu vergessen; dieses langsame dahinschaukeln hatte seinen Reiz, meine festen Absichten darüber, wo ich anlegen, wie lange bleiben, was alles ansehen wollte lösten sich in Nichts auf, die Reise selbst war es, die mich faszinierte und auch völlig in Anspruch nahm.  Es ist etwas Anderes wenn man so ‘mal rund um Helgoland herumkurvt und hin und wieder GPS, Navi und Seefunk beachtet, oder weit weg von daheim, mit nichts als Horizont rund herum, voll auf diese Dinge angewiesen ist. Ich hatte also wochenlang gut damit zu tun, nicht die Orientierung zu verlieren - dennoch war ich manchmal überrascht wenn ich eine Insel ansteuerte, und es war partout nicht diejenige, die ich mir vorgenommen hatte. Ein paar Grad verkalkuliert, naja...mit der Zeit lernte ich das aber.  Es war aber weniger wichtig; ich stellte fest daß ich eigentlich lieber allein auf dem Schiff war als im Trubel eines Hafens. Die Landausflüge fielen denn auch weitaus kürzer aus als geplant.

Die ersten Anzeichen von Störungen gab das Schiff von sich, als ich das Amazonasgebiet verließ, der Motor lief unruhiger und sprang nicht so flott an wie gewohnt; ich überprüfte die Spritzufuhr und einiges an der Elektrik, dann verschwand die Störung wieder - ich sagte mir, das ist die Hitze. Sporadisch kam das dann wieder, aber immer nur kurz, woran es lag, war mir schleierhaft. Ich nahm mir vor die Saskia in Rio überprüfen zu lassen, da wollte ich ja ohnehin etwas länger bleiben. Nur, mein alter Kahn sah das anders. Weit vor Rio blieb der Motor öfter plötzlich stehen, sprang wieder an, setzte wieder aus...einen Tag ging das so, und in einer Gegend die nach absolut gar nichts aussah, blieb er aus und ließ sich nicht wieder starten. Verrückt, dachte ich. Strom war da, Sprit auch, nur weit und breit kein Hafen, Strand mit Wald dahinter sah ich am Ufer und blau in blau auf der Backbordseite. Der Wind kam von Ost, Richtung Land, was sollte ich machen. Ich setzte also das Notsegel und war einigermaßen froh daß es ganz flott Richtung Küste ging; nur, was dann? Auf meine Funksignale reagierte niemand.

Ich fragte mich ob Indios wohl Ahnung von Dieselmotoren hätten, als ich auf die Küste zuschaukelte und mir einen Hafen wünschte..klein durfte er sein, aber bitte mit einer Werkstatt. Natürlich war da gar nichts, als ich in die Brandung kam und langsam an der Küste entlang dümpelte, unentschlossen, wollte ja auch nicht hier in der Wildnis auf den Strand laufen...eine kleine Flußmündung erschien mir als Rettung. Kaum davor, drückte mich die Flut ohnehin dort rein, die Saskia kam gerade zwischen den Bäumen links und den Bäumen rechts durch ohne hängen zu bleiben, wurde aber auch langsamer, der Wind schlief ein. Als sich dann der Flußlauf weitete zu einem kleinen Becken mit einem Holzsteg und vier klapprigen Hütten, kam mir das wie das Paradies vor. Die letzten hundert Meter legte der Kahn so langsam zurück daß ich schon überlegte ans Ufer zu schwimmen und ein Seil mitzunehmen, das Schiff ans Ufer zu ziehen. .nur der Gedanke an irgendwelche Viecher ließ mich abwarten ob der Schwung nicht doch reichen würde.

Es reichte, der Steg knarrte, ich stieg aus und vertäute mein malades Schiff, sah mich um, rief, benutzte das Schiffshorn...keine Reaktion, niemand hier, aber wenigstens war ich an Land, und nicht etwa gestrandet. Mal sehen was das hier ist...

Malcolm Deventer

Die Hütten waren verschlossen. Am Ufer lagen ein paar Holzkähne, eine Straße, Autos, oder Stromleitungen sah ich nicht. Noch nicht einmal ein müder Hund lag irgendwo in der Sonne, es war verdammt heiß und am Land alles voller Moskitos. Bald war ich wieder auf der Saskia, machte mir einen Drink und schlief dann irgendwann ein. Es war so unverschämt still daß ich meinen Herzschlag hörte...eine seltsame Erfahrung nach dem konstanten Meeresrauschen der letzten Wochen. Ich wachte mehrmals auf, sah zu den Hütten rüber..nichts. Ich schlief wieder ein, als dann Schritte über den Steg kamen und auf mein Boot, klang es als trüge der jemand der da kam, Militärstiefel. Der verfilzte Typ der dann den Kopf durch die Tür steckte, trug gar keine Schuhe; nur eine abgerissene Jeans und einen fast aufgelösten Hut, sonst nichts. Sonnenverbrannt wie er war, sah ich doch daß dieser grinsende Kerl kein Indio war. “Welcome to nowhere” brummte der und trat ein. “Malcolm Deventer, what’s driving you to this hole?” Ich richtete mich mühsam auf “Norman Weinstein.” - “Oh , you’re jewish.” - “No, german.” - “Surprise, surprise...haben sie ein Leck oder ist der Motor hin?” Er konnte deutsch, auch wenn es wie holländisch klang. “Der Motor..nehmen sie doch Platz.” - “Gern, haben sie Wein dabei?” - “Bier. Was macht ein Brite hier im Urwald?” - “Das frage ich mich schon lange nicht mehr. Ich war schon über zwanzig Jahre nicht daheim. Und sie?” - “ich komme grade von Hamburg.” Er nickte, stand auf, holte zwei Bierflaschen, gab mir eine “Totalschaden?” - “keine Ahnung, wohl kaum. Er läuft nur nicht mehr. Haben sie hier einen Mechaniker?” - ”Hahaha...wirklich nicht. Holzkähne, ein bißchen Werkzeug, ja. Kann ja mal nachsehen...morgen, heute wirds gleich dunkel. Norman, sie haben es hoffentlich nicht eilig?” - “Das nicht. Können sie denn mit Dieseln?” - “Ich kann mit allem was sein muß. Sie nicht?” Er grinste, das war wohl doppeldeutig gemeint, aber nach Scherzen war mir nicht. Wir tranken still, sahen uns an, mochten uns.  In diesem faltigen Gesicht wohnte ein freundlicher Blick, der Typ strahlte eine Ruhe aus die mir gut tat.

Er fragte mich aus, wohin ich unterwegs wäre; ich ihn, was er hier machte, die Zeit verstrich langsam. Malcolm war als Geschäftsmann hierher gekommen “Iquitos, wissen sie, das war ein guter Platz...vor zwanzig Jahren. Viel Geld, viel Hektik, und heute...” er machte eine wegwerfende Handbewegung  “hängen geblieben, den Zeitpunkt zum abhauen verpaßt, alles verloren, also...fischen, Fische verkaufen, mit den Indios handeln, alles was geht. Seltsamerweise geht es wirklich, irgendwie. Es gibt Sachen, die verpaßt man voll und ganz, solange man was hat. Das Kaff hier hat noch nicht einmal einen Namen, ist aber gar nicht übel. Gute Fische, gutes Wasser, schöner Wald..und weit weg von allem. Wird nur etwas unangenehm, wenn sie Ersatzteile brauchen. Fünf Stunden..” er deutete mit beiden Armen an, zu rudern. “Na, mal sehen ob es auch so geht. Morgen.“ So ging es weiter, zehn Minuten Stille, ein Satz von ihm, meine Antwort, zehn Minuten Stille, ein Schluck Bier, nächste Frage...

Ich wurde wach, es war schon hell. Von Malcolm war nichts zu sehen, dafür aber zu hören. Er mußte im Maschinenkabuff sein, von dort hörte ich ihn fluchen und hämmern. Ich raffte mich auf und ging runter, wo er beim Schein einer trüben Funzel über dem Motor gebeugt stand. Er sah mich “diese Maschine hat ja fast noch euren Kaiser erlebt...die ist nicht kaputt, nur müde. Total zerlegen, alles reinigen, zusammenschrauben und anbrüllen, dann läuft die wieder.” Ich mußte lachen, er bekräftigte “nein, wirklich, glauben sie mir, so läuft das. Das alte Ding will Zuwendung...Sympathy, you know? Und dann einschüchtern, mit dem Schrottplatz drohen, und sie schnurrt wie ein Kätzchen. Na, um die Rudertour kommen wir aber nicht herum. Ein paar Dichtungen müssen wir schon besorgen, wenn wir sie wieder zusammenbauen.” - “Und sie kriegen hier Dichtungen für einen uralten Deutz??” - “Für den oder für einen anderen. Zuschneiden müssen wir das Zeug selber. Nein, das wird schon gehen.  Nur nicht so schnell...morgen kommen Julio und Christobal, die müssen mit anfassen, wir zwei schaffen das nicht allein. Na, anfangen können wir ja schon mal. Schrauben sie die Rohre da ab..” er warf mir einen Schlüssel zu, hatte schon das Kommando...und mir war es recht, er wußte wenigstens was zu tun war, oder sagte es jedenfalls.

Wir schraubten bis in den Nachmittag, dann lag der Motorblock frei und Malcolm mußte arbeiten, also fischen gehen. Ich fuhr also mit ihm auf seinem langen Holzkahn, sah ihm still zu, auch er sagte nichts...für Stunden. Es wurde Abend, wir hatten einen Weidenkorb voller unbekannter Fische und ich eine Überraschung. In einer der baufälligen Hütten stand eine erstklassige Kühltruhe, Gasbetrieb, mit Flaschen..und dort landeten die Fische, bis auf zwei große Brocken die er am Feuer grillte. “Die zwei Lumpen die morgen kommen, kaufen die Fische und bekommen auf dem Markt doppelt so viel dafür wie ich. Dafür müssen sie allerdings rudern...und uns helfen den Motor auszubauen.” Die Fische schmeckten gut, das Bier danach auch, und das nachfolgende Gespräch mit langen Pausen, auf dem Deck meiner lahmen Saskia, auch das schmeckte mir. Mich streifte der Gedanke, daß diese Motorpanne gar nicht so ein Unglück war.

Wieder folgte eine stille Nacht, und am Morgen waren die beiden Indios gekommen, von denen Malcolm gesprochen hatte. Er handelte lange mit ihnen, dann trugen sie den Inhalt seiner Truhe in ihr langes Holzboot wo sie ebenfalls eine Kühlbox hatten, stiegen aber wieder aus und kamen mit Malcolm zu mir an Bord. Was sie redeten, verstand ich nicht; Malcolm übersetzte und außerdem verständigten wir uns mit Grimassen und Handzeichen. Zusammen hievten wir den alten Motor aus der Saskia und schafften ihn in eine andere Hütte, die war leer bis auf einen schweren Tisch und eine Art Werkzeugregal, an der Decke hing eine altertümliche Gaslampe. Dort aufgebockt, konnten wir den beleidigten Motor von allen Seiten bearbeiten...Julio und Cristobal verabschiedeten sich bald. Malcolm und ich zerlegten den Motor Schritt für Schritt, und bei jedem Teil das wir ausbauten, fing ich mir strafende Blicke ein. Als der ganze Tisch voller schwarzer Teile war, bekam ich die Erklärung dafür. “Du gehst auf eine solche Fahrt und läßt vorher nicht den Motor überholen.. .sebst schuld. Der Dreck da, der stammt doch noch aus dem Weltkrieg. Mit sowas kann man im Hafen rauf und runterkurven, aber keine Weltreise machen. Das Ding ist doch vor Hitze verrückt geworden..alle Dichtungen sind fertig, aber sonst zum Glück nichts. Also, wir rudern nach Aquas Mortas, besorgen Dichtmaterial, bauen den wieder zusammen und du wechselst gefälligst wenigstens alls zwanzig Jahre das Öl, klar? Aber jetzt, putzen, als käme der Papst zur Kontrolle. Ich will Metall sehen, nicht Ruß.”

Ich grinste und schämte mich zugleich, von Motoren verstand ich nun mal nichts. Das bißchen Dreck, dachte ich...aber Malcolm war sich sicher. “Sag mal, da bist du einer von diesen Journalisten die uns erzählen was wir denken sollen. Und dann weißt du noch nicht mal das. Was für ein Schreiberling bist du denn?” - “Politik. Nicht Technik.” - “Na gut, das erklärt es ein wenig. Aber von Politik verstehst du was?” - “Ich denke schon.”

 

Die dumme Maggy

“Soso. Wollen wir doch mal sehen. Kannst du dich an die achtziger erinnern, an die eiserne Lady?” - “Maggy Thatcher? Natürlich.” - “Den Falkland-Krieg?” - “Ich war Korrespondent in Buenos Aires.” - “Oh, gut. Hast den Galtieri interviewt?” - “Den auch. Die Maggy, den Reagan...” - “Na dann mußt du es ja wissen. Warum gab es denn diesen Krieg?” - “Na, weil die Galtieri-Bande die Inseln besetzt hat.” - “Ja klar, aber warum haben die das gemacht? Wollten die vom mächtigen England eins auf die Schnauze kriegen, hatten sie nicht genug Schafe, oder warum?” - “Wenn ich das wüßte. Damals haben wir viel herumgerätselt, wie man so dumm sein kann. Übrigens nicht nur Galtieri,  Maggy auch. Wegen knapp zehntausend  Leuten und ein paar Schafen.” - Margaret Thatcher“Eben. Dafür hätte euer Kaiser keinen Krieg geführt, nicht wahr? Noch nicht mal euer Führer.” - “Natürlich nicht. Für nichts, oder?” - “Genau. Das war auch nicht der Grund. Die Malvinas...Falkland...sind nichts wert. Also, den Grund weißt du nicht, oder?” - “Tja...Dummheit...Stolz...” - “Quatsch.” er unterbrach mich mit einer abfälligen Handbewegung “Ein Galtieri mag so blöd sein, oder eine Maggy. Aber nicht der ganze Staat, die ganze Armee von zwei Ländern, und Amerika, Frankreich, Deutschland...halten das Maul und sehen zu. Hast du dich nie gefragt ob sie euch alle belogen haben? Da steckt was ganz anderes dahinter.” - “Jetzt mach’s nicht so spannend. Was denn?”

Er legte sein Werkzeug weg, wischte sich Öl von den Händen, öffnete die schiefe Tür und zeigte Richtung See “hast du da draußen irgendwas gesehen außer Wasser und Himmel?” - “Nein. Nun sag schon.” Er grinste “ich hab’s nicht so eilig, von dir für bescheuert erklärt zu werden. Norman, glaubst du daß es Avalon gegeben hat?” - “Die sagenhafte Insel von König Artus?” - “Genau die. Oder Atlantis, Xanadu, Shangri-La. Sind das Kindermärchen oder vielleicht doch Legenden, also wahre Geschichten, vielleicht etwas verschlüsselt?” - “Letzteres...auch wenn das keiner beweisen kann.” Er richtete sich auf, atmete tief durch, sah mich an “immerhin...ich riskier’s. Norman, ich kann’s beweisen.”

Er sah mich durchdringend an...also, für verrückt hielt ich ihn nicht, aber glauben konnte ich das auch nicht. “Da mußt du aber mächtig gut Bescheid wissen, wenn du das beweisen willst. Du sagst also...daß dieser Scheiß-Krieg um Atlantis geführt wurde?” - “So etwa. Genau gesagt, die Junta hatte erfahren daß es einen Weg dorthin gibt, nur einen. Und der führt über die völlig nutzlosen, eiskalten, kahlen Inseln am Ende der Welt..Falkland, oder Malvinas. Darum haben die dort zugeschlagen, und darum hat England das nicht zugelassen... der Depp von Galtieri hat sich eingebildet, er könnte sich die Reichtümer von Atlantis, seine Energiequelle..und natürlich auch seinen legendären Ruhm aneignen....war ziemlich am Ende, der Idiot. Sie hätten ihn und seine ganze Armee verdampft, wenn er dorthin gelangt wäre. Ist er aber nicht, und die britische Armee auch nicht. Die suchen heute noch nach dem Weg...aber der öffnet sich nicht für Soldaten. Ach, was erzähle ich, du denkst ja doch, der Malcolm hat zuviel gesoffen.”

Mag sein daß ich so gedacht hätte, wenn er mir das in meinem Hamburger Büro erzählt hätte. Hier im Urwald nah am Atlantik erschien es mir nicht unmöglich , aber ich wollte Beweise. “Malcolm, warst du dort?” - “Ja. Mehrmals. Und ich kann jederzeit wieder hin. Komm mal mit.” Er ging zu seiner Wohnhütte, öffnete eine Holztruhe, nahm ein Stoffbündel heraus und rollte es auf. ein Haufen seltsamer Steine...Vor meinen Augen funkelten Kristalle, von einer Art die ich noch nie gesehen hatte. Die fensterlose Hütte war plötzlich hell, ohne daß es blendete. Ich wußte nicht ob ich mehr von der Schönheit dieser Steine oder von dem warmen Licht angezogen wurde, das sie verströmten. Ich berührte diese glitzernden kleinen Säulen mit den Händen und fand sie warm, angenehm anzufassen und erstaunlich schwer. “Nimm einen und richte ihn mit der Spitze zur Sonne” sagte Malcolm “aber halte ihn gut fest, und erschreck dich  nicht.”

Ich sah ihn fragend an, tat aber was er sagte. Ich richtete einen kleinen Kristall hoch, ging zur Tür...und hätte ihn fast verloren. Kaum schien die Sonne darauf, zog er meine Hand nach oben, nicht stark, aber das hatte ich nicht erwartet. Er brach das Licht wunderbar, auf dem Boden um mich herum spielten Farben, er wurde richtig heiß..und zog ruhig und gleichmäßig nach oben. “Dreh ihn langsam wieder runter” sagte Malcolm und als ich es tat, wurde ich nach vorne gezogen, dann nach unten...das Licht im Kristall erlosch fast, und die Kraft auch. Es war nur ein schöner Stein....

“Das sind Steine von dort” sagte er “Rohlinge, nicht bearbeitet. Darum geht es. Die Energie von Atlantis. Das Mélan. Die dumme Maggy, der dumme Galtieri konnten sich nicht vorstellen, daß sie es niemals schaffen könnten, gegen den Willen der Bewohner nach Atlantis zu gelangen, um sich das anzueignen. Was sie damit machen würden, kannst du dir ja denken.  Nun, sie konnten es nicht.” - “....Bewohner??? Atlantis, wenn es existiert, ist doch untergegangen?? ?” - “Ja, das ist es. Aber das war nicht das Ende, das war der Anfang.” Ich gab ihm den Stein zurück, er schlug ihn sofort wieder in das dunkle Tuch ein. “. .und Atlantis, oder Avalon...das liegt bei Falkland? Unter dem Meer? Wie das denn, das geht doch nicht.” - “Ja, es liegt bei Falkland, genau gesagt, nördlich davon, ein ganzes Stück nördlich. Und nicht unter dem Meer, sondern das Meer liegt darüber.” - “Aber Malcolm, wie denn das. Man würde es doch sehen. Mit Satelliten, von Schiffen, auf dem Radarschirm...” - “Mit viertausend Meter Wasser darüber? Aber nein. Niemand kann es sehen, und es ist doch da.” - “Klar, und das Wasser schwebt darüber, schützt die geheimnisvolle Insel und fällt den Bewohnern nicht auf den Kopf.” - “Ganz genau.”

Er lachte, rollte das Bündel noch einmal auf, nahm einen großen Stein, ging zu einem Tisch, goß Wasser in ein Glas und warf den Stein hinein, gab es mir. “Schau dir das ganz genau an..” Ich war ja schon dabei...aber wie genau ich auch hinsah,  das Glas war leer. Über dem Glas schwebte eine ovale Masse aus Wasser, bei jeder Bewegung tropfte etwas herunter. “Ruhig halten” grinste Malcolm “und ganz genau hinsehen. Keine Zauberei, keine Märchen. Nur die Kräfte der Natur.” Ich sah mir das lange an, völlig gebügelt, fassungslos, und doch sah ich es. Wenn ich es schaffte die Hand ruhig zu halten, schwebte auch das Wasser ganz still über dem Glas. Zitterte ich, schlug es Wellen und tropfte. Aber kein einziger Tropfen fiel ins Glas, alle machten einen Bogen darum und fielen dann ganz normal runter. ”ist der Kristall größer und präziser, ist auch die Kraft größer. Ist er riesig, kann er auch viertausend Meter Wasser in der Schwebe halten, und es können Schiffe drüber fahren, Fische drin schwimmen und U-Boote darin tauchen. Man kann sie von unten sehen, und sie sehen dich nicht. Das Licht wird gebogen, sie sehen nur blau unter sich...denken, das Meer ist grundlos tief, versuchen tiefer zu gehen - das geht aber nicht - dann wird es ihnen unheimlich und sie tauchen ganz bestimmt nie wieder in dieser Gegend...” Malcolm lachte und ich kam mir dumm und ahnungslos vor, schüttelte das Wasser ab und gab ihm das Glas mit dem Stein zurück. Der Stein war trocken, das Glas auch.

“Bring mich da hin..” stammelte ich nur und mußte mich setzen. “Wie kann ein Stein Kraft haben???” - “Nicht der Stein. Das Licht! Der Stein richtet die Kraft nur aus. Und ich kann dich hinbringen, wenn du..nun, wenn du es aushältst. Und wenn deine Saskia wieder läuft. Wir müßten nach Falkland fahren, und zwar heimlich...wenn da britische Soldaten in der Nähe sind, bleibt das Tor geschlossen. Sie passen gut auf. Aber wenn..also, Norman, du wirst nie wieder so sein wie du heute bist, überleg dir das gut. Es gibt Leute, die kommen zurück und sind wahnsinnig, träumen von absoluter Macht und richten Unheil an, so einer ist zu Galtieri gegangen. Oder sie ziehen sich total zurück und gehen irgendwann wieder hin, und bleiben. Jetzt kannst du noch sagen, ich mach ab sofort Kristallforschung, und das ist ja auch was. Wenn wir nach Atlantis gehen, werden wir lange bleiben, und wenn wir zurück kommen, ist die Welt nicht mehr dieselbe. Ich frag’ dich morgen nochmal, okay?”

Ich nickte nur still, ging auf mein Schiff und legte mich schlafen. Malcolm kam nicht mit, und ich schlief sehr lange. Als ich aufwachte, war er nicht da. Sein Boot lag auch nicht am Ufer...ich ging in den Werkschuppen und fing an, Motorteile zu putzen, mechanisch, abwesend, langsam und gründlich.

Mechanik und Zweifel

Das nahm mich voll und ganz in Anspruch, änderte aber nichts an meinem Zustand. Ich kam nicht vom Erlebten weg, zwischen Kolben und Schrauben lag die Frage vor mir, ob Malcolm mich irgendwie reingelegt hatte, mir irgendeinen verblüffenden Trick serviert und mich damit getäuscht hatte, oder wirklich ein neuer Horizont vor mir lag, an dessen Ende der Mythos Atlantis real werden könnte. Ich sagte mir zwar ständig, mich darauf einzulassen wäre bescheuert; aber in Wahrheit war längst klar daß ich bereit war alles zu versuchen um diese Frage aufzuklären. Malcolm tauchte nicht auf, ich hatte viel Zeit alles durchzudenken - aber das tat ich nicht. Ich brannte darauf der Sache auf den Grund zu gehen.

Es wurde Abend, und Malcolm kam zurück. Er kam angerudert, müde, langsam kam er an den Steg und brachte einen Karton mit, einige Fische und eine Kiste Bier. “Du warst nicht aufzuwecken..also war ich allein in Aquas Mortas, Dichtungen besorgen. Sind von Mercedes, aber das wird gehen. Die müssen wir ein wenig umarbeiten, aber das bin ich gewohnt. Motoröl hast du ja dabei?” Ja, das hatte ich, zwei große Kanister. Auch wenn ich noch nicht einmal wußte, wo ich das einfüllen mußte. Na, egal, Malcolm wußte es und hielt mir noch einmal einen Vortrag über Motorpflege. Als ich ihn auf das gestrige Thema ansprechen wollte, winkte er ab “nicht schon wieder. Laß uns morgen den Motor zusammenflicken und dann will ich nur eines wissen: fahren wir hin oder nicht? Wenn nicht, kannst du mich ausfragen. Wenn ja, kannst du Leute fragen die weit mehr wissen als ich. Wenn nein, dann vergiß das Ganze und setz’ deine Reise fort wie geplant, kein Grund sich unnötige Gedanken zu machen” - “Sag mal, so wie du erzählt hast, klang es als wärst du ganz begeistert davon. Warum lebst du dann noch hier?” Er zuckte mit den Schultern “wer weiß. Das kannst du dich selbst fragen wenn wir da waren und du auch zurück willst. Wirklich, das hat so keinen Sinn - du weißt nicht wovon wir reden. Komm, grillen wir uns was zum essen, gehen schlafen, und wenn der Motor läuft, entscheide dich. Wir werden sehen.”

Ich verstand ihn nicht, fragte aber nicht weiter. Es gab wieder gegrillten Fisch, Bier und einen Abend an Deck, wir sprachen über alles, nur nicht über Atlantis . Dann schliefen wir ein, in den Liegestühlen, wurden mitten in der Nacht wach - alles im Nebel, Nässe und kühl war es auch. Ich ging in meine Koje, er in seine Hütte.

Den Morgen verbrachten wir im Schuppen, schraubten den Motor zusammen und hatten dann unsere liebe Not ihn ohne Hilfe aufs Schiff zu bringen; mit einer Bastelei aus einem Sackkarren und einer Schubkarre gelang es uns schließlich. Dann brauchten wir weitere Stunden ihn wieder einzubauen, anzuschließen und die Sauerei im Motorraum zu beseitigen; ich wagte es kaum den Anlasser zu betätigen - Malcolm stand bei der Maschine und versorgte sie mit Flüchen und Drohungen - und das Ding sprang tatsächlich an. Der Klang war verändert, auch kam mehr Power als ich Gas gab, und weniger Ruß aus dem Schornsteinrohr; wir machten sofort eine kleine Probefahrt zum Meer, drehten dort eine Runde und kamen zurück, ich war begeistert. Die Saskia war schneller geworden, leiser auch, und vibrierte gar nicht mehr. Malcolm strahlte “so wie du aussiehst, kannst du froh sein daß der Motor es bis hier geschafft hat.  Verändert, was?” - “Total. Wie ein neuer. Muß ich jetzt öfter so eine Schrauberei machen?” - “Wenn du den Diesel gut pflegst, nicht. Alle zehn Jahre oder so....aber so wie der aussah, hat den seit er im Schiff ist, niemand zerlegt, und das geht nicht. Spendier halt ab und an frisches Öl, das ist die Hauptsache. Und wenn was klappert, sieh nach und mach es fest oder stell es ein. Oder lauf mal eine Werft an, wenn du das nicht selbst tun willst.”

Wir legten an, ich stellte die Maschine ab, war sehr erleichtert...wir tranken erst mal einen darauf, dann kam natürlich die Frage. “Nun, Norman? Fahren wir rüber?” - “Rüber...wie weit ist es denn? Ich bin bisher immer an der Küste lang, außer von Frankreich nach Miami, da bin ich über den Atlantik...mit etwas Muffensausen, aber es ging gut. Ist das Meer da unten nicht sehr ungemütlich? Kann das die Saskia?” Er grinste mich lange an “so, du verbirgst also deine Furcht hinter Sorgen was das Schiff angeht. Na, wenn es stürmt, bleiben wir lieber in Küstennähe, aber wenn nicht, ist es hier eher besser als im Nordatlantik . An der Küste lang..gut, ja, ein schönes Stück schon, aber zu den Malvinas müssen wir schon voll raus. So wie der Kahn läuft, wohl etwa zwei Tage. Und dort, da gibt es schon ruhige Buchten wo wir die Saskia verstecken können.” - “Verstecken? Warum das?” - “Na, hör mal, ich hab doch gesagt, die Briten suchen immer noch auf den Inseln herum. Wenn wir da so schnurgerade in den Hafen laufen, werden wir registriert und alles was wir tun, wird beobachtet. So kommen wir nie hin, das Tor bleibt zu. Nee, wir müssen in eine menschenleere Bucht laufen, und zwar nachts, ohne Lichter. Dann das Schiff verbergen und zu Fuß weiter. Kann sein daß du einige Wochen bleiben willst...also muß sich auch jemand um die Saskia kümmern, solange. Aber keine Sorge, ich kenne Leute dort. Jetzt sag aber endlich ob du überhaupt den Mut hast, es zu wagen.”

“Das weißt du doch längst. Ja.” - “Na, denn...dann raff dich mal hoch, wir haben noch was zu tun bevor es losgeht. Hilf mir schleppen.” Wir trugen einiges an Krempel aus seiner Hütte aufs Schiff; Angelzeug vor allem, aber auch seine persönlichen Sachen, sogar sein altes Metallbett. Platz war ja genug, und Malcolm machte es sich gemütlich...wir waren bis Mitternacht beschäftigt, zum Schluß zog er seine Boote in den Schatten der Bäume und kam mit der kleinen Holzkiste an Bord, die die Kristalle enthielt. “Wozu denn die?” - “Um das Tor aufzumachen. Ohne diese Steine kommen wir nicht rein.” - “Schlüssel sind das also auch noch.” - “So ähnlich, und die am Tor wollen sie sehen. Es gibt sie eben nur dort, und wer welche hat, darf rein. Es wäre auch blöd sie hier zu lassen, wenn wir so lange weg sind. Gauner gibt’s auch im Urwald.”

Es gab wohl auch welche auf dem Atlantik, stellte ich fest. Malcolm trug die kleine Kiste in den Motorraum und verbarg sie dort unter der öligen Putzwolle. .abgeschlossen hatte er sie auch, und den Schlüssel versteckte er in der Bilge...”gehen wir schlafen, und brechen wir früh auf. Es ist weit.” Ich gehorchte, er war sehr bestimmend seit wir uns zum Aufbruch entschlossen hatten. Zum ersten Mal bekam ich mit daß er sich gründlich wusch, die Haare schnitt und den Bart stutzte. Dann verbrachten wir die letzte Nacht in der kleinen Flußmündung, das Wetter war ruhig geblieben und ich hatte noch einmal einen Wetterbericht gehört: kein schlechtes Wetter weit und breit.  Dennoch war ich beunruhigt, schlief nicht gut und war froh als es hell wurde und er zum Aufbruch drängte.

Wir fuhren los, wandten uns nach Süden und tuckerten an der Küste entlang, es ging erstaunlich schnell; aber mit zwei Tagen hatte sich Malcolm sehr verschätzt, oder hatte er gemeint, zwei Tage von der Küste weg? Ich fragte nicht nach. An Rio ging es vorbei, es machte mir nichts aus. Bei Montevideo fuhren wir zum ersten Mal ohne Landsicht, es wurde auch kälter. Und weiter ging es, verdammt weit. Mal sahen wir Land, mal nicht. Kalte Winde kamen von Süden, wir wurden langsamer. Zehn Tage ging das so, tagsüber angelte er mit erstaunlichem Erfolg, nachts wechselten wir uns am Steuer ab, mal schlief er, mal ich. Ich war müde, das ständige monotone Brummen der Saskia fing an mir auf die Nerven zu gehen, auch wenn ich froh war daß der alte Kahn so gut lief.

Eines Morgens weckte er mich “steh auf und sieh dir nochmal das Land an.  Heute biegen wir links ab..” grinste er und zeigte zur Küste “Kap Tres Puntos. Feuerland. Siehst du die Berge?” Ja, die sah ich, und den Schnee darauf. Es war richtig kalt, und die See unruhig. Es war mir ganz recht daß wir uns von diesen kalten Riesen abwandten und nach Osten, auf die hohe See hinaus, steuerten. Erstaunlicherweise war es bald ruhiger, die Wellen zwar höher, aber auch länger und ganz regelmäßig; sie brachen sich nicht, der Wind ließ nach, das Deck wurde trocken. Malcolm stand am Ruder und sah ganz und gar zufrieden aus; ich bekam wieder Zweifel was wir nur taten, würde er mich in einen dämlichen Hokuspokus führen oder wirklich nach Atlantis? Mein Herz schlug unruhig. Ich hatte das Gefühl an einer Wegscheide zu stehen, und hin und wieder den Gedanken, besser umkehren, solange es noch geht.  Malcolm wußte das wohl oder er spürte es “laß mal gut sein” sagte er ganz gelassen “das ist bald vorbei.”

Am Ende der Welt

So war es wirklich. Wellenberg, Wellental, alles sehen, Wasserwand sehen, alles sehen...man gewöhnt sich schnell daran. Die Saskia machte den Bergsteiger, manche Wellen waren sicher über zehn Meter hoch, aber oben rund, es fuhr sich ganz gemütlich. Land sahen wir an diesem Tag nicht mehr, auch keine Vögel mehr, nur Fische...und die fing Malcolm mit solcher Bravour, die Reise war auch was das Essen anging, ein Genuß. Die Nacht war auch so, am nächsten Tag waren die Wellen niedriger und der Wind ganz eingeschlafen; ich stand an der Haspel und wagte es, den Motor mit Vollgas laufen zu lassen - was ausgezeichnet ging, und uns schnell weiter brachte. Es dämmerte als ich eine Möve über uns sah. Malcolm wurde sofort nervös “nimm das Gas weg, Norman, sonst sind wir zu früh da. Wenn uns die Briten sehen, ist es aus, dann kommen wir nie hin. Sieh doch mal auf dein Spielzeug, wo genau wir sind.” Er meinte meinen Computer und das GPS-System, und das zeigte daß wir keine zwanzig Kilometer mehr von den westlichen Falklands waren. “Motor stopp” sagte er “erst weiter, wenn es dunkel ist.” Dann beobachete er unruhig den Computerschirm, auf dem schon die Konturen kleiner Inseln zu sehen waren. Es wurde dunkel, und wir drifteten langsam südlich, nicht auf die Inseln zu. Er stand oben auf dem Deck, sah mit dem Fernglas auf den östlichen Horizont “gut..kein Schiff in Sicht. Mach langsame Fahrt, nach Osten, aber wirklich langsam...”

Ich durfte kein Licht machen. Einzig die kleine Kartenlampe brannte, und auch die deckte er noch mit einem Tuch ab. Draußen war es tiefblau, nicht ganz dunkel, Sterne leuchteten hell und von den Inseln her sahen wir einzelne kleine Lichtpunkte.”Nicht drauf zu, südlich vorbei” sagte Malcolm als schwarze Umrisse sichtbar wurden, Klippen, gut fünfzig Meter hoch und ohne Strand davor. “das ist die falsche Insel - weiter” - “mehr Backbord” - “jetzt schneller” - “etwas mehr südlich...aufpassen... jetzt nach Osten..” so dirigierte er mich, nahm aber nicht selbst das Steuer. Bald sah ich auch auf der rechten Seite schroff aufragende Klippen, es wurde eng. “jetzt laß mich mal..” sagte er und schob mich von der Haspel weg. Was dann kam, hätte ich auch nicht gekonnt. Etliche Male wirbelte er das Steuer herum, scharfe Wendungen, Gas geben, etwas zurück, dann ging es durch eine Passage, die war kaum breiter als die Saskia selbst. Das Motorengeräusch dröhnte laut, wie in einem Tunnel. Dann weitete sich das Fahrwasser wieder, es wurde heller, ich sah eine große, ganz stille Bucht. Fast kreisrund war dieser Naturhafen, und nur an einer einzigen Stelle fiel das Land sanft zum Wasser hin ab, der Rest der Ufer war steil und hoch. Malcolm fuhr aber nicht zu diesem winzigen Strand, er steuerte geradewegs auf ein Steilufer zu. Wir waren fast dort und er nahm das Gas nicht weg, in mir stieg Panik auf. Plötzlich schaltete er den Scheinwerfer ein, vor uns lag eine geräumige Höhle, die halb unter Wasser lag. Er sah zur Mastspitze hinauf “langt gerade so” und fuhr direkt hinein. Wieder klang die Saskia wie ein Panzer, aber nur kurz. Er stellte den Motor ab, mit dem Schwung bog er links um eine Steinwand und ließ die Saskia langsam gegen eine Art Kai laufen, ein schmales Felsbrett, an dem schon drei weitere, ebenso alte kleine Schiffe lagen . “Endstation” sagte er und sprang an Land, ich warf ihm ein Tau zu und er band es an eine Felsnase.

“So...jetzt nehmen wir das Beiboot, die Höhle hat nur einen Ausgang.” sagte er und wir banden den kleinen Kahn los, fierten ihn über Bord und stiegen ein. Er nahm die Ruder, und raus ging es wieder, zurück, wie wir gekommen waren. Draußen steuerte er zum Strand “das ist der heimliche Hafen” sagte er “Briten-sicher, kein Militärkahn kommt durch die Einfahrt, und das Radar sieht auch nichts, weil die Höhle eine Kurve macht. Da können sie fischen ohne Steuern zu zahlen, und was sie sonst so treiben...” - “Wer?” - “Ach so, ja. Meine Freunde auf Adarnia, Nick, Lorna, und John. Auch weggelaufene Untertanen ihrer Majestät..” grinste er “ und ein paar andere, die sind vom Festland, die kenne ich nur vom sehen. Offiziell sind sie Schafzüchter, aber das lohnt nicht mehr.” - “Und die bewachen das Tor von Atlantis?” Er bekam einen Lachanfall. “Nie im Leben...sie wissen gar nichts davon...daß du nur kein falsches Wort sagst, nein, das sind ganz normale Freaks. Das Tor ist auch nicht hier, es ist nur ein guter Platz um ein Schiff zu verstecken. Du mußt dich schon noch gedulden, heute kommen wir nicht zum Tor. Nur zu meinen Kumpels. Da schlafen wir, spannen sie ein um auf die Saskia aufzupassen, und morgen geht es los.”

Der Kies knirschte unter dem Kiel, wir waren an Land. “Malcolm, hätten wir nicht etwas mitnehmen sollen? Nahrung, Kamera, Zahnbürste und so weiter?” - “Nein, nein. Kamera kannst du vergessen, das darfst du nicht. Alles was wir brauchen wird da sein. Na, und dein Feldstecher..den hast du ja noch am Hals hängen.” - “Und deine berühmten Steine?” Er lächelte und klopfte auf seine Hosentasche “die habe ich. Mehr brauchen wir auch nicht. Komm, klopfen wir mal bei den Schafsmenschen.” Er ging voran, aufwärts ging es, am Rand einer Klippe entlang, durch ein Gebüsch, über eine bucklige Weide zu einem kleinen Haus, das hinter Steinwällen in eine Mulde geduckt da lag als wäre es aus einem Geschichtsbuch geklaut. Reetdach, Pumpe vor dem Haus, Stall daneben und welke Blumen in den Kästen vor den Fenstern; trübes Licht hinter milchigen Scheiben. Er ging zur Tür, klopfte laut “hey Nick...the Army wants you..open up.” Die Tür ging auf und ein Bär von einem Mann stand darin. “You bloody idiot..” hörte ich ihn sagen, dann umarmten sie sich.

Wo war ich nur hingeraten. Die windschiefe Bude war niedrig, die Tür geradezu hirngefährdend. Drinnen war es rauchig, eine offene Feuerstelle mit Rauchabzug, Holzschemel, klobige Tische und Truhen, noch so ein Bär der mich umarmte und eine stämmige Frau, die mich an etwas erinnerte was ich in den letzten Wochen fast vergessen hatte, denn sie umarmte mich und küßte mich nicht gerade zurückhaltend, ihre Zunge kam sofort in meinen Mund. .hoppla, Überraschung, aber das tat gut. Ich wunderte mich noch, aber so küßten wir uns weiter, oder sie mich, und weder Nick noch John schien das zu stören. Ich muß schon sehr verdattert ausgesehen haben als sie mich losließ “jetzt guck nicht so....Lorna ist nicht verheiratet, schmus ruhig mit ihr, Männer sind hier selten - und ihre Brüder kann sie ja nicht vernaschen..” grinste mich Malcolm an “du mußt nur dein englisch auskramen, deutsch können sie hier nicht.” Lorna strahlte mich an “welcome to deadend hole” ihr englisch klang etwas vermischt, wohl nach spanisch, aber das konnte ich nun auch wieder nicht. Wir nahmen Platz an der Feuerstelle, es gab...was schon...Fisch natürlich. Am Feuer gegrillt, Kartoffeln dazu, und Schnaps. Selbstgebrannt wohl, und auch mit einem leichten Fischaroma. Malcolm redete mit diesen Leuten, aber so daß ich kein Wort verstand; nur daß sie sich mochten, das war nicht zu übersehen. Gesten, Schulterklopfen und zuprosten lösten einander ab, auch wurde viel gelacht. Lorna saß bei mir und machte aus ihrer Freude einen Mann  zu Gast zu haben, keinen Hehl. Völlig unkompliziert und selbstverständlich wurde sie zärtlich, und was hätte ich dagegen haben können, nach Monaten allein und Wochen mit Malcolm. Nur ihr grobes Äußeres ließ mich immer wieder etwas Abstand nehmen, zottelige Haare, Felljacke, Lederhosen...offenbar alles selbst gemacht und nach Rauch riechend.

Malcolm, Nick und John tauschten Nachrichten, von denen ich nur die Hälfte verstand. Sie sprachen irgendeinen Dialekt, der mir noch nie begegnet war; und ziemlich schnell dazu. Ich bekam mit als Malcolm von meinem Schiff erzählte, daß ich von Motoren nichts verstand und daß es jetzt in der Höhle lag. John kam zu mir “du..mußt..dich nicht...kümmeren...we...shit, we will take care of it.” Er hatte es auf deutsch versucht, lachte jetzt “only at school...you know.. .never been to Germany. You understand me?” - ”Yes, perfectly.” - “Perfectly...” er lachte und schlug mir auf die Schulter “nothing’s perfect here...” und ging wieder zu Malcolm. Sie redeten kurz, dann kam Malcolm zu mir. Er sprach leise “Norman, geh mit Lorna ins Bett, wenn du ein gutes Werk tun willst. Wir haben hier noch viel zu reden, ich erzähl’s dir morgen. Oh..ich hoffe, du bist nicht schwul?” Ich grinste ihn an “absolut nicht. So einfach?” - “Leb’ du mal am Ende der Welt.” "Interview" mit Lorna Er sprach dann ebenso leise mit Lorna, über ihr Gesicht breitete sich ein schönes Lächeln aus, und so sah sie mich dann auch an. “Norman? Please, follow me.” Sie stand auf, nahm meine Hand, zog mich mit sich in ein kleines Nebenzimmer, ein Bett, wieder eine Truhe, ein Stuhl, ein kleines Fenster, Kerzenlicht. “This is not a civilized country, you know? I’m quite alone, i hope you’re interested...and...if you like... I’d love to make love to you...” - “Lorna, I will be gone tomorrow.” - “I know. Be quite frankly, if you don’t like me...I’ll understand..” Ich war noch nie in einer solchen Lage. Wir redeten ein paar Takte, einfach so... das konnte ich einfach nicht. Dann machte ich ihr klar, ich würde gern ihr Haar kämmen. Sie lächelte und nahm einen Kamm aus der Truhe, ließ sich kämmen, zog sich dabei aus..und dann verschlug es mir die Sprache. Schön wie eine Göttin stand sie vor mir, als die groben Sachen auf dem Boden lagen. Als sie dann anfing mich auszuziehen, war meine Verlegenheit verflogen, sie zog mich wie magisch an, wir vereinigten uns schnell und dann immer wieder, von schlafen war keine Rede, ihre Zärtlichkeit und ihr Hunger danach bereiteten mir eine sagenhafte Nacht , umso schöner weil völlig unerwartet; auch als wir alle Energie verbraucht hatten und zusammen kuschelten, war es noch so zauberhaft wie es mit einer Frau nur sein kann. Und so verdammt schade daß ich ja nur auf der Durchreise war.

Ich wollte wissen wie sie es als junge Frau aushalten konnte, allein, nur mit ihren Brüdern, und ab und zu mal ein wenig geborgte Liebe von einem Gast..? Es geht, sagte sie, aber ihr ganzes Leben würde sie wohl nicht hier verbringen. Sie habe eine gute Freundin, der es auch so erging, und so...ich würde wohl verstehen. Nur auf Dauer würde ihr eine Frau nicht genügen, aber irgendeinen Typen zu umarmen, das wäre ihr auch nicht gut genug...und ließe sich doch nicht ganz vermeiden, wie ich ja wüßte. Warum ich auf eine so lange Tour keine Freundin mitgenommen hätte?  Ich wollte allein sein, sagte ich, und außerdem wäre ich ja geringfügig älter als sie....das hätte sich aber gar nicht so angefühlt, sagte sie darauf  und kuschelte sich wieder an.

Bis in den Morgen flüsterten, kuschelten und schmusten wir so, und das wurde allmählich zur realen Versuchung auf Atlantis zu verzichten und bei Lorna zu bleiben, wochenlang...und dann vielleicht doch noch die Tour zu fahren die ich mir ursprünglich vorgenommen hatte. Vielleicht mit ihr zusammen? Ich schlief wenig, träumte viel und konnte mir einen Törn mit dieser handfesten und verschmusten Frau ganz gut vorstellen. Es wurde hell und der Traum verflüchtigte sich. Lorna stand auf, verbarg ihre Schönheit wieder in diesen groben Fetzen..und Malcolm kam rein. “Los, komm, aufstehen, wir haben einen weiten Weg vor uns...” Es gab ein deftiges Frühstück, eine herzliche Verabschiedung und Lornas geflüsterte Bitte, doch auch dem Rückweg noch eine Nacht hier zu verbringen..und mein Versprechen das auch zu tun. Schon standen wir auf den kahlen Hügeln der Insel und das Haus hinter uns wurde kleiner...Malcolm lachte, und verbarg nicht weshalb...wegen mir. “Sex irritiert dich also. In welchem Kloster hast du denn gelebt?” - “Ach, weißt du...mit den Jahren ist mir so einiges abhanden gekommen - Muße, innere Ruhe, ungestörter Schlaf - und eben auch Sex. Und dann überfällt mich das geradezu...keine Beschwerde, bin ja losgetuckert um wiederzufinden was mir gefehlt hat.” - “Könnte ein klein wenig mehr werden. Aber so ist das Leben, ich kenne das. Hast du gute Arbeit, fehlt es dir anderswo - und alles kommt immer auf einmal, was? Nie richtig dosiert, und nur zu gern überraschend. Du wirst es überleben.” - “Ja, Mann ...na, das ist ja mal eine trostlose Gegend hier...” Er nickte nur.

Die Landschaft erinnerte mich an Irland; Gras, Hügel, kaum Bäume und viel Wind, Schafherden ohne Einzäunungen, keine Straßen,  keine Dörfer, nur in weiter Ferne sah ich hin und wieder ein flaches Dach, oder auch zerfallene Häuser, Mauerreste - ich wußte es ja, nun sah ich es selbst, die Inseln wurden allmählich verlassen - die besten Zeiten hatte Falkland lange hinter sich, nun war es hier Einsamkeit pur, wenig anziehend, und auch kälter als die grüne Insel. Das Meer war immer zu sehen, auch wenn wir es im Rücken hatten, vor uns ein dunkler Schatten, der sich später aus dem Dunst schälte, ein felsiger Berg. Wir begegneten niemandem, sahen auch keine Menschen aus der Ferne “etwa zwanzig Leute auf dieser Insel” sagte Malcolm als er bemerkte  wie ich mich umsah “und ein paar Schweine...äh...Soldaten. Vor denen müssen wir uns in Acht nehmen, wenn die einen Fremden sehen, folgen sie ihm, und das können wir nicht gebrauchen. Und zwei Fremde, das ist eine Invasion.” Wir erreichten den Fuß des Berges “da hinauf?” - “Genau das. Halb hinauf. Aber laß uns erst mal abwarten ob wir gesehen worden sind.” Wir gingen in den mageren Waldrand, hinter zwei mächtigen Felsblöcken machten wir Rast, aßen Brote die Malcolms Freunde uns mitgegeben hatten und lugten auf die offenen Weiden hinaus.  Tatsächlich kamen da zwei Soldaten in britischen Uniformen an, stiegen auf den letzten kleinen Hügel den wir hinter uns gelassen hatten, nahmen ihre Ferngläser und sahen in die Runde. Dann gingen sie weiter, aber nicht in unserer Richtung. “Das kann eine Finte sein...abwarten, bis sie außer Sicht sind” zischte Malcolm und wir warteten ab. Wirklich, sie blieben wieder stehen und sahen genau in unsere Richtung. Wir rührten uns nicht....sie gingen weiter. Ein kleines Tal verschluckte sie. Malcolm blieb noch minutenlang liegen, dann machte er mir ein Handzeichen - weiter, aber geduckt. Kohlegrube oder so ähnlich...

Zwischen Felsbrocken ging es langsam aufwärts, nicht steil, aber es war nicht einfach sich unsichtbar zu bewegen, so groß waren die Felsen leider nicht. Allmählich wurde das aber besser, erst war es eine Felsrinne, dann eine kleine Schlucht, der wir folgten..aufwärts, stetig. Dann wölbte sich ein grünes Dach über der Schlucht, kleine Bergeichen, und unten wurde es immer dunkler. Schließlich hingen die Felsen über, mit Bäumen darauf - es war finster, aber hier unten war ein kleiner Pfad ausgetreten, der allmählich breiter wurde. “Was ist das hier, Malcolm?” - “Es war. Eine kleine Kohlegrube, lange aufgegeben, oder...” er grinste “es soll danach aussehen. Gute Kohle gab es hier nie, es liegen nur ein paar Brocken herum, absichtlich verstreut. Das ist das Tor....da vorne.” Er zeigte auf ein düsteres Loch vor uns, von einem Sonnenstrahl erhellt, es sah wirklich nicht gerade vertrauenswürdig aus. Ein verrostetes Blechschild am Eingang trug die kaum noch lesbare Inschrift “McCormick’s Mine - unsafe, stay out”

Malcolm grinste “gut gemacht, nicht? Sieht aus wie einsturzgefährdet, fühlt sich auch so an, ist aber grundsolide. Gehen wir rein, schnell.” Er ging vor, ich wunderte mich wie er den Weg fand - ich sah absolut nichts. Immerhin war der Stollen hinter dem Eingang nicht so niedrig, wir konnten aufrecht gehen. Es ging etwas abwärts, um eine Rechtskurve, Malcolm blieb stehen. Er kramte in seiner Hosentasche und holte einen der Kristalle heraus, und oh Wunder, es wurde ein wenig hell. Dann sah ich warum: an den Wänden, in der Decke, saßen ebenfalls solche Kristalle und die leuchteten ebenfalls ganz schwach auf, aber es reichte. Ich sah mich um, keine Spur von Kohle - Fels pur, grob behauen, aber tatsächlich: trocken, fest, kein Geröll. “Nicht übel, was, Norman? Aber die Kohle hier taugt nichts. Kein britischer Bergmann würde sich nach dem Zeug bücken. Ist auch nie wirklich abgebaut worden...na, in einer Stunde kannst du Leute ausfragen, die wissen mehr als ich.” Malcolm ging zielsicher auf einen schmalen Riß in der hinteren Wand zu und quetschte sich da durch. Ich folgte ihm, etwas besorgt ich könnte stecken bleiben, so eng war das. Dann staunte ich, wir standen in einem kleinen Raum dessen Wände glatt behauen waren, auch der Boden war geglättet, aber es ging nirgendwo weiter. “na, und jetzt?” grinste er breit “Ende der Grube?” - “Sieht so aus. Wo ist denn nun dein Tor?” - “Wir stehen drin.”

Er wartete ab bis ich mich gründlich umgesehen hatte, aber da war absolut nichts, glatte Wände, glatter Boden, glatte Decke - nur der Spalt durch den wir gekommen waren.  Er nahm noch einen Kristall aus seiner Hosentasche, mit einem in der rechten und einem in der linken Hand ging er auf die hintere Wand zu. Ich hatte die kleinen Löcher übersehen, die dort in der Wand waren - achteckig wie die Kristalle, und winzig klein....dort steckte er die Kristalle hinein “nun komm schon, die Tür öffnet sich nur kurz.” Was denn für eine Tür, dachte ich noch als zwischen den Löchern ein Rechteck sichtbar wurde, lautlos größer wurde und den Weg freigab. Malcolm zog die Kristalle heraus “komm, komm..” und ging durch. Ich folgte ihm schnell, hinter mir schloß sich die Tür. .wie auch immer, es war zu dunkel um zu erkennen wie das funktionierte. Dann standen wir in totaler Nachtschwärze, nur die Kristalle in Malcolms Händen schimmerten schwach rosa, gerade genug um sein Gesicht zu erkennen. “Nun, Norman?” er verzog sein Gesicht zu einem breiten Grinsen. “Du hast ja gedacht, der Malcolm legt mich voll rein - gib es ruhig zu.” - “So schlimm nicht, aber hin- und her überlegt habe ich schon. Und dann diese Tür...jetzt scheint es doch etwas wahrscheinlicher zu sein daß es hier etwas gibt was ich unbedingt kennen lernen möchte. Wie funktioniert denn das?” - “Da fragst du den Falschen. Das weiß ich nicht, nur, wie man damit umgeht. Sieh dich mal um, kannst du was erkennen?” - “Wenig genug, bei dem Dämmerlicht. Eine Höhle?” - “Ein langer Tunnel, der nach unten führt. Aber keine Sorge, laufen müssen wir nicht. Du wirst staunen...vergiß Autos, Flugzeuge, Motorschiffe... das gibt es hier alles nicht, die haben bessere Lösungen gefunden. Wir fahren gleich mit so einem Ding runter - es wäre auch viel zu weit für meine alten Füße.” - “Und es gibt nur diesen kleinen Eingang?” - “Ja, nur diesen. Die wollen nicht daß man oben von ihnen weiß... wirklich, da unten ist alles etwas anders als du es kennst.  Das Wichtigste ist wohl, es ist friedlicher. Das wäre kaum möglich, wenn man einfach so reinspazieren könnte.” - “Ja...und wie geht es nun weiter?”

“Warte..” sagte er “die Wächter kommen gleich.”

weiter:>>> die Kristallwelt

Quellen zu den Themen dieses Kapitels

Falklands, Islas Malvinas

Falklandkrieg

Montserrat (en)